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1708–1754

Erster Theil. Von den Tisch-Liedern.

Friedrich von Hagedorn

Ziel des menschlichen Bestrebens, Ziel, das man mit Müh erreicht! Schönste Beute dieses Lebens! Kleinod, dem kein Reichthum gleicht!

Tugend! dich, dich, unbefleckte Schöne! Lieben Griechen-Landes Söhne. Jhnen heissen alle Plagen Und das grausamste Geschick,

Wenn sie es für dich ertragen, Ein beneidenswehrtes Glück. Quaal und Tod für dich geduldig leiden, Ist ein Theil von ihren Freuden.

Dies zeigt deines Samens Blüte, Früchte der Unsterblichkeit, Früchte, welche deine Güte In der Menschen Herze streut.

Eltern, Gold, der süsse Schlaf gefallen; Aber du gefällst vor allen. Herculs, Castors, Pollux Werke, Die so viel für dich gethan,

Waren Zeugen deiner Stärke, Kündigten dein Daseyn an. Und warum starb Ajax mit Achillen? Tugend! nur um deinetwillen.

Deine Schönheit zeugt die Triebe, Womit du gesuchet wirst. Deiner Schönheit blos zu Liebe Blendet sich Atarnens Fürst,

Dieser Fürst, den sein Verdienst und Leben Und die Ewigkeit erheben. Des Gedächtnisses Geschlechte, Musen! wollt ihr Zevs erhöhn,

Unter dessen Schutz die Rechte Der Gast-Freyheit sicher stehn: O so laßt stets unter eurem Singen Dieses Fürsten Lob erklingen.

Und so oft als eure Leyer Von der Freundschaft Alter spielt, Die das jugendliche Feuer Und die erste Treu noch fühlt,

O so oft laßt unter euren Chören Dieses Fürsten Lob-Lied hören.

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