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1731

Die verliebte Verzweiflung

Friedrich von Hagedorn

Gewiß! der ist beklagenswerth, Den seine Göttin nicht erhört; Dem alle Seufzer nichts erwerben. Er muß fast immer schlaflos sein,

Und weinen, girren, winseln, schrein, Sich martern und dann sterben. Grausame Laura! rief Pedrill, Grausame! die mein Unglück will,

Für dich muß ich noch heut' erblassen. Stracks rennet er in vollem Lauf Bis an des Hauses Dach hinauf, Und guckt dort in die Gassen.

Bald, als er Essen sah und roch, Befragt' er sich: Wie! leb' ich noch? Und zog ein Messer aus der Scheiden. O Liebe! sagt' er, deiner Wuth

Weih' ich den Mordstahl und mein Blut: Und fing an, Brod zu schneiden. Nach glücklich eingenommnem Mahl Erwägt er seine Liebesqual,

Und will nunmehr durch Gift erbleichen. Er öffnet eine Flasche Wein, Und läßt, des Giftes voll zu sein, Sich noch die zweite reichen.

Hernach verflucht er sein Geschick, Und holet Schemel, Nagel, Strick, Und schwört, nun soll die That geschehen. Doch, ach! was kann betrübter sein!

Der Strick ist schwach, der Nagel klein, Der Schemel will nicht stehen. Er wählt noch eine Todesart, Und denkt: Wer sich erstickt, der spart,

Und darf für Gift und Strick nicht sorgen. Drauf gähnt er, seufzet, eilt zur Ruh, Kriecht in sein Bett und deckt sich zu, Und schläft bis an den Morgen.

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