Jhr Freunde! zecht bey freudenvollen Chören!
Auf! stimmt ein freyes Scherz-Lied an.
Trink ich so viel, so trink ich euch zu Ehren,
Und daß ich heller singen kann.
Der Rund-Trunk muß der Stimmen Bund beleben,
So schmeckt der Wein uns doppelt schön;
Und ein Gesetz, nur eines, will ich geben:
Laßt nicht das Glas zu lange stehn.
Jhr Freunde! zecht, wie unsre Väter zechten:
Sie waren alt und klug genung,
Und manchen Zank, bey dem wir Söhne rechten,
Ertränkten sie im Reihen-Trunk.
Sie thaten mehr: Saß nur an ihrer Seite
Ein Kind voll holder Freundlichkeit;
So gab dem Wein ein Schmätzchen das Geleite,
So ward ein Glas dem Kuß geweiht.
Wie trostlos war der Zeiten erste Jugend,
Als Thyrsis einer Phyllis sang,
Und zum Geseufz von Leidenschaft und Tugend
Mit ihr aus schwachen Wassern trank!
Die Nüchternheit, die Einfalt blöder Liebe
Verlängerten der Schäfer Müh;
Wir trinken Wein, befeuren unsre Triebe
Und küssen muthiger, als sie.
Lockt uns kein Laub in ungewisse Schatten;
So baut man Dach und Zimmer an,
Die manchem Kuß mehr Sicherheit verstatten,
Als Forst und Busch ihm leisten kann.
Der süsse Reitz der ewig jungen Freude
Wird stets durch Lieb und Wein vermehrt.
Wenn ich den Scherz und den Tockayer meide,
So sagt: bin ich der Jugend wehrt?