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1616–1664

ViI. DOMINE USQUE QUO?

Andreas Gryphius

Ach wie lang O GOtt! mein GOtt wie lange Wilst du dich von meinen threnen kehren Vnd keiner bitte mich gewehren! Ach wie ist mir doch so hefftig bange!

Daß du mich nun gantz auß deinem hertzen Schleust vnd in grundlosen schmertzen Ohne trost versincken läst. Soll ich HERR dein antlitz nicht mehr schawen?

Hab ich nicht O Heylandt ) mein vertrawen Stets auff dich gegründet fest? Ach wie lange soll in tausendt plagen Vnter deines grimmes donnerkeilen

Vnd Höllenheissen Schwefel pfeilen Ich mein jmmerwehrendt weh beklagen? Ach wie müd’ ist mein gemüt von sorgen! Welches plötzlich alle morgen

Angst vnd Ist wol eine trübsal zu ergründen Wirdt man auch ein vnglück können finden. Das mich nicht in klawen hält?

Das sich aber meine feind' erheben Weil ich in höchster qual muß leben Daß so frölich jauchtzen die mich neiden; Dis dis wil mir leib vnd Geist durchdringen

Vnd mich zum verzweifeln bringen. Mein G Wofern dein gemüte zu erweichen: Wofern eine gnade zu erreichen

Schawe doch auff meinen spott. Welt ade es ist vmb mich geschehen! Meine krafft weicht vnd die Augen brechen Die Zunge kan kein wort mehr sprechen:

Der Todt hat mich jhm zum raub' ersehen. Ach HERR! einen strall nur deiner gütte Wündtscht mein sterbendes gemüte Brich doch an du lebens licht!

Mein feind wird es seiner macht zu schreiben Wo ich muß im staube liegen bleiben. Dulde do Nun ich weis du wirst mir nicht abschlagen

Was ich jtzt mit halberstarter zungen Vnd pfnüchtzend habe vorgedrungen. Deine gnade kennet kein versagen Alle welt weis deine trew zu preisen

Die du pflegest zu erweisen Wenn kein mittel mehr zu sehn HeRR ich glaub’ ich wil nach so viel schreyen Vber deiner wolthat mich erfrewen!

Ja ich weis es wirdt geschehn!

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