Nach dem deß Höchsten übergrosse gunst Die im Elend schier verschmachte Die von jederman verlachte Die Zion auß der heissen jammer brunst
Auß dem verknüpfften Ketten-Netze Dem Kercker stanck dem Angst gehetze. Durch wunder-Allmacht außgerissen Vnd alß sein freyes Kind lies grüssen.
Da zweifelt jeder: jeder stund vnd fragt Ist diß Zion die gekränckte? Die in jammerschlamm versenckte Die Brand vnd Schwerd vnd Blitz vñ glutt geplagt?
Ists Zion? oder muß mit liegen Vnß leichter träume dunst bekrigen. Wir schlaffen ja nicht? Nein wir wachen Vnd hören Zion frölich lachen.
Die Zion die in herben leid erstickt; Der die Angst den Brunn der Thränen Gantz erschöpfft die mattes sehnen Nur noch allein mit schwachem Geist außdrückt.
Die wie ein Turteltäublein girret: Sitzt in geschwinde lust verwirret. Sie lacht sie jauchtzt sie rühmbt sie singt. Daß Thal vnd Berg davon erklingt.
Vnd billich! denn wer dieser wunder schawt: Vnd die gantz zersprengten Bande. Die in Ruhmb verkehrte Schande Die rawe klufft für der der Sonnen grawt:
Läst mich bestürtzung von sich hören: Wieviel hat GOTT der HERR der Ehren An jhr gethan: Er hat erzeiget Was weder Ost noch West verschweiget.
Ja freylich spricht Sie: Thut er viel an mir Drumb soll: weil mir Blutt vnd Leben Wird durch Hertz vnd Adern schweben Mein Mund vnd Hand vnd Seele dancken dir
HERR rette was sich noch nicht findet: Was der noch feste Fessel bindet. Was noch der Feind gefangen heisset: Was noch die scharffe wehmutt beisset.
Diß wird dein Kind erquicken alß die flutt Alß das rauschen von den Bächen Die so mit durst vnd gebrechen Im Suden quelt der Sonnen schwere glutt.
Wie leichter Taw das Land ergetzet Wie Regen der die Felder netzet Die glüend-heisse Lufft getrennet Vnd schier zu leichten staub verbrennet.
Diß bleibt deß Himmels ewig-feste Schluß Daß Betrübte nicht stets klagen: Daß die wollust folgt den Plagen Daß wer getrawrt zu letzte jauchzen muß
Die jhre Saat in Angst auß strewen. Die wird die Frucht-reich Erndt' erfrewen: Seet Thrähnen auß seet auß mit weynen. Trost wird (wenn jhr nun mayt) erscheinen.
Man geht bestürtzt alß sonder Rath einher Wenn das wüßte Land zu bawen: Vnd kein mittel mehr zu schawen Wenn Scheur vnd Schloß von allem Saamẽ ler
Doch wird das ach Das vnß verzehret In frewdenschwang're Lust verkehret: Wenn man die vollen Garben bringet Vnd jauchzend' vmb die Awen singet.
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