Komm werthe Freyheit komm! Komm Göttin hilff mir schreiben Weil ich ja schreiben soll. Calliope mag bleiben Und heucheln wie sie will. Der schönen Worte Pracht Hilfft doch der Warheit nicht. Und nun ich mich bedacht
Befind' ich daß sie woll dafern ich bitten wolte Mit ihrer Schwestern Schaar mich nicht besuchen solte: Weil sie den langen Tag bey jenem embsig sitzt Der Flüsse von Verstand (wenn ihm die Stirn erhitzt)
Mit Strömen von sich geußt: Wenn Faunus hier zu finden So spräch' er bey uns ein doch wandelt um die Linden Doch wandelt auf der Burg doch wandelt in der Stadt So viel gehörntes Volck das Faunus selbst sich hat
Verkannt als jener Knecht der von sich wurd geschlagen Und vor sich selber lieff. Jedoch was werd' ich sagen Daß neu und zierlich sey. Phantast! wo denck' ich hin Der ich noch in der Welt und in dem Lande bin
Da man die alten Schwänck in neue Formen drücket Und ein verfaultes Buch mit Kupffer-stichen schmücket Und auf die Groschen hält die jener König schlug Der Hörner auf der Müntz an statt der Crone wug.
Man kaufft ein halbes Brett auf welchem kaum zu kennen Wo Albert Dürer steh: Last nur den Lucas nennen Den Ruhm der Weisen Stadt der schier vor Hunger starb; Den rufft ein ieder mein! der Mann der nicht erwarb
Was auf die Farbe lieff. Der auf gemeiner Bahre Ward nach der Grufft geschickt dem zahlen hundert Jahre Für die berauchte Kunst viel tausend Gulden aus! Wie viel hält Kottwick itzt auf sein verschwemmtes Haus
Von welchem kaum die See sechs Steine lassen bleiben? Denckt nur wie viel anitzt zu jenem Schreiber schreiben Der von den Helden sang die Asien verheert Und Pergamus geschleifft und Trojen umgekehrt!
Es sind von Arbiter nicht so viel Stücke blieben Als Federn sich an ihn in einem Jahr gerieben; Und denckt man woll das Tros der tausend Bücher macht So viel aus einem Hirn (das nicht zu klug) erdacht:
Nein warlich! wenn man nur solt auf die Schaale legen Was sein Erforschen fand es würde leichter wägen Als Psychens Jungfrauschafft als Flacci theurer Schwur Als Trullens Redlichkeit dir durch die Lüffte fuhr
Eh als sie Polydor mit Lügen recht gefiedert Entsetzt man sich da sich mein Anfang etwas wiedert Und mit dem Mittelstück so stimmet überein Als Cajus gantzer Hals und sein durchschossen Bein
Als Madons grauer Bart und die Blut-rothe Nase Als ein behertzter Löw und ein verzagter Hase. Es ist ja mehr denn wahr daß man sich itzt so trägt Daß man so lehrt und schreibt und so zu reden pflegt.
Flaccilla steht es zu. Die schmückt die fremden Haare Den Deckel ihrer Platt' und ziert mit theurer Waare Die Brüste trefflich aus doch ist der Leib befleckt Den ein zerrissen Tuch an statt des Hemdes deckt.
Was ist Leanders Kleid? ein Spiegel seiner Sitten! Schön' oben unten kahl leichtfertig in der Mitten Meint ihr daß ihm der Strauch der Schlingen schöner steh' Als itzt der Federpusch den Fallus, der wohl eh'
Auf einer Wiesen pflag behertzt das Gras zu mayen? Wie ändert sich die Zeit! itzt kan er Gold ausstreuen Das er den Bauren hat so tapffer abgejagt Als er sein Leben gar biß in den Speicher wagt.
Meint ihr daß er die Kett' hab auf dem Mist erworben! Ach nein! er hat getrost den Völckern die gestorben Eh' er gebohren ward gedräut mit Flamm und Schwerdt Er hat ihr altes Hauß die Todt-Kist umgekehrt.
Und (was Ulysses nicht bey Hectors Grab gewaget) Sie aus der Grufft gebracht und in die Lufft getaget. Ich hab es selbst geschaut wie sie in Asch' und Wind Als er die Faust anlegt so bald verstoben sind.
Unangesehn daß sie vordessen gantze Hauffen Der Türcken in die Flucht in Hungarn lehrten lauffen. Ich weiß wol daß ihn nechst der strenge Sejus stieß. Daß er den gantzen Leib zu Boden sincken ließ.
Doch litt' ers mit Gedult und hielt es ihm zu gute. Warum? der Sejus war von nicht so edlem Blute. Und last ihn edler seyn; Es stehet Helden an Daß man dafern es Noth auch was verzeihen kan.
Thats Isabelle doch die hat sich nie beschweret Daß Robert ihren Mann bey später Nacht entwehret Entwehret und erwürgt. Wenn er nicht selbst entdeckt Was seine Faust verübt: er wäre nie gereckt
Und nie des Kopffs beraubt. Sie hat mit Angst empfunden Sein unverhofftes Weh; die auf des Mannes Wunden Durch die ihm Blut und Seel auf eine Zeit ausfloß Nicht einen Seuffzer ließ nicht einen Thränen goß.
Das hieß recht treue Gunst. Das hieß die Feinde lieben! Und sich ob eigner Noth nicht gar zu hoch betrüben! Diß kan Petrinus nicht der viel von Tugend schwätzt Und doch mit Hurerey und Lügen sich ergetzt.
Wie offt hab' ich gehört daß er den Ketzern fluchte: Daß er der Menschen Thun auffs fleißigste durchsuchte! Wie offt daß er was falsch vor Warheit hat bericht! Wie offt daß er aus Haß ein Laster hat erticht
Wo man kein Laster fand! Doch daß er selbst ist kommen Zu Phrynen iede Nacht sie in den Arm genommen Kam eher nicht ins Licht biß sie das Kind gebahr Daß ihr doch ihm vielmehr nicht angenehme war.
Die Arme wie man weiß ward darob so betrübet Daß sie ein Mord-Stück hätt an ihrer Frucht verübet Wenn nicht der schnelle Tod das abgekränckte Pfandt Noch vor der sechsten Nacht der Gruben zugesandt.
Wie schamroth ward Petrin! wie hat er sich verkrochen Als ieder schrie; der Mann hat Ehr' und Eid gebrochen! Er schwieg. Doch länger nicht als an den zwölfften Tag Da leugnet er so frech als Turbo lügen mag.
Doch weiß die grosse Stadt daß Phryne klar erwiesen Mit Schrifft mit Eid und Pfand und Zeugen die man kiesen Nicht zehlen hat gesehn daß er die That verbracht Und in der Mutter Burg zur Hure sie gemacht.
Was ists denn (sprach er) mehr! Und wär es gleich gesechhen Man hat mich dennoch nicht mit Schwestern buhlen sehen Nicht in der Tochter Schoß wie Verianus pflegt Der sich zu Kind und Weib und Baas und Schwester legt;
Lebt mäßig sprach Melin, wo ihr mit achzig Jahren Und zehnmal dreyen noch wo ihr mit greisen Haaren Wolt nach der Gruben gehn und tranck den Becher aus Der weiter als sein Kopff und grösser als der Straus
Den neulich jener Artzt vor einen Luchs ansahe Hilff Gott wie lachten wir! doch als der Abend nahe Und der verlogne Ceph sich selbst vor Ritter schalt Da zogen wir den Hut da neigten wir alsbald
Den Kopff schier in den Dreck da küsten wir die Hände Wir sassen unten an wir starrten wie die Wände Wenn er den Blasebalck der Zungen spielen ließ Und eitel Wunderwerck aus seiner Gurgel stieß.
Wie hörte Cælia, da er mit Gläsern schantzte Da er Pocal um sich gleich als Carthaunen pflantzte: Da er die Schüssel nahm: und schrie diß ist die Stadt Diß ist das Feld! auf dem mein Fürst gefochten hat.
Hier lag der stoltze Feind hier stieg Staub Rauch und Flamme Mit Krachen Himmel-an: Hier gieng mit Ast und Stamme Der gantze Wald in Brand. Und hier hier merckt es wol Hier war mein Tummelplatz hört was ich sagen soll:
Durch hundert drang ich hin den stieß ich durch die Lenden Den andern durch den Bauch der fiel mit lahmen Händen Den trat sein Roß in Sand dem schlitzt ich Haupt und Brust Den zwang ich daß er Fahn und Leben lassen must.
Die Kugeln flogen mir als Schlossen um die Ohren! Der Bart ist noch versengt den Zopff hab ich verlohren Als die Carthaune mir drey von der Seiten nahm Und ich mit Blut und Staub bedeckt entgegen kam
Dem Haupte das auf uns das Gegentheil verhetzte Ich schlug (wiewohl Bramant es zwantzig mahl entsetzte.) So auf en Helden loß daß ihm der Geist entwich Und wenn Alcander nicht der auf dem Platz erblich
Ihm beygesprungen wär' er hätte mir sein Leben Wohl dreymahl und noch mehr zu Pfande müssen geben Drauf fiel ich auf die Stadt die man umsonst gequält Mit Flammen Sturm und Schwerdt so lang es an mir fehlt.
Als ich mich auf den Wall der stoltzen Burg geschwungen Da ist der Anschlag uns da ist das Werck gelungen. Man hat vor andern mich sehn in dem Graben gehn Man hat vor andern mich sehn auf den Mauren stehn
Diß hörten unser zwölff! und keiner wolte pfeiffen Unangesehn daß wir mit Fingern konten greiffen Daß er der Schwätzer war der durch das gantze Land Hat Kräuter Theriac und Salben für den Brand
Und Pulver für die Würm und für die faulen Zähne Den Bauren offt verkaufft: ja daß ich nicht erwehne Daß ihm mit Bircken-Laub der Rücken abgefegt Auch nicht daß ihm ein Band von Hanff ward angelegt.
Wir wusten über diß daß ihm der Geist entwichen; Als er den Cörper sah der auf dem Rad erblichen. Behertzter Rittersmann du hast dich ja gewagt Wohin es möglich war biß man dich hat verjagt
Doch diß ist nun kein Hohn. Wer vor sein Land wil wachen Wer nach Gewissen geht und den der in den Rachen Des strengen Todtes rennt auffhält so lang er kan Wer ein geschmincktes Wort und was ein Fürst beut an
Und was ein König dräut ohn Angst und Hoffen höret Wer Redlichkeit allein nicht Ruhm nicht Schmeicheln ehret Geht offt wohin man vor die Schelmen lauffen hieß Und den der Frau und Kind mit einem Dolch erstieß.
Drum loben wir was recht und thun was uns ergötzet Wir rühmen was Camill in sein groß Jahr-Buch setzet Und leben wie es Brauch. Der ist ein guter Mann Der nicht mit einem Mund zwey Liedlein singen kan:
Diß reden was man meint so leben wie man lehret War jene Zeit gemein; da man die Tugend ehret Einfältig sonder Pracht da man mehr that als schrieb Mehr wust als hören ließ und in den Schrancken blieb.
Die kein Verstand bewegt: Als ein Gesetz alleine Für tausend Länder stund als man das Mein und Deine Nicht mit dem Spieß abmaß als Kirchen und Altar Zwar sonder Gold doch wol von göldnen Priestern war
Die Liebe die Geduld vor höchste Weißheit achten; Und nicht aus ihrem Dienst ein weltlich Handwerck machten. Als man mehr weise Leut' als itzund Narren fand Mehr Werck' als Tittel nun die einig unser Land
Das nicht mehr tragen wil so reichlich auff-läst gehen Die Schlösser brechen ein die neuen Tittel stehen Der Thurm stürtzt auf den Grund die Kirch' ist Asch und Grauß Man kehrt die Gräber um. Die blinde Fledermaus
Der Uhu nebst der Schaar der ungepaarten Eulen Bewohnen den Pallast. Die grausen Wölffe heulen Durch die nun wüste Stadt. Und was nun ist verschwindt Die Tittel sinds allein die man im Blute findt.
Und die man finden wird wenn keiner mehr wird suchen Ich wil was Celsus weiß und Crassus hat verfluchen. Wenn ein erlogen Wort mir diß und jenes giebt Und mehr denn Cajus wünscht und Theopompus liebt
Glaubt fest es ist mein Ernst ich wil es klar beweisen Daß wir an Alcidor nichts als den Tittel preisen. Ko i grosse Göttin ko i und beut mir Hülff und Hand: Du weist wol was ich wil: Dir ist der Mann bekannt
Der ihn (wofern man soll der Mutter Worten glauben) Für seinen Sohn erkiest; sein nicht verdecktes Rauben Und offenbahre List stinckt mehr denn sein Gebein Das in der Gruben fault der Bruder ist allein
Berühmt durch fremder Angst. Er selbst ward aufferzogen Da wo die junge Sau der alten Brust gesogen (das Unmensch bey dem Vieh.) und von der Lämmer Schaar Als dreyzehnmal die Erndt itzt angebrochen war
Gezwungen in die Stadt in welcher Varus wohnet Dem der nicht weise Rath mit baarem Gelde lohnet. Daß er die Knaben streicht und diese rasend macht Die man ihm anvertraut. Der schlug ihm iede Nacht
Die Kunst mit Ruthen ein. Der Varus solt' ihm zeigen Was Varus nicht verstund. Der Varus lehrt ihn schweigen Denn reden kont er nicht. In kurtzem Alcidor Ward ein so grosser Plock und ungehirnter Thor
Als nicht sein Meister ist. Drauf ließ er sich hinführen Wo man die Esel schleifft und mit dem Holtz-Beil zieren. Doch leider nur umsonst es hängt uns ewig an Was Schul' und Amm' einschmiert. Als nun das Geld verthan
Das ihm die Mutter gab als er die Nacht mit Sauffen Den Tag mit Kost' und Ball das Jahr mit Tantz' und Rauffen. Den Rest in Chloes Arm beschlossen dacht er nach Daß die geschwinde Zeit gleich einer schnellen Bach
Sich gar nicht hemmen läst. Daß ihm die Schwäger schrieben Daß Braut und Schwester ihn gleich als nach Hause trieben Und hub zu lernen an. Zwey Bücher kaufft er ein In welchen allerhand vermischt wie Kalck und Stein
Wie Klee- und Körbel-Kraut und Nesseln und Violen Und Kreß und Majoran wie Asch und lichte Kohlen. Die las er fleißig durch. Drein setzt er manche Hand Und Stern' und Eselsohr und durchgeflochten Band.
Die fast' er in den Kopff die kont er eh'r auffsagen Als Prisca zehlen wird wie viel sie hat getragen Als Best, wie viel er stahl wenn er nur einen fand Der noch was gröber war denn maß er den Verstand
Mit vollen Maltern aus denn wust er zu erzehlen Was Socrates gelehrt wo Plato pflegt zu fehlen Die er so offt durchsucht als ich der Mohren Feld. Und der mein Vaterland der in der neuen Welt
Geröste Schlangen frist. Doch wenn der Fall ihn setzte Zu einem der den Zeug nach seiner Würde schätzte. Vor dem ein Esel sich umsonst in Löwen-Haut Verkleidet sah' er aus wie ein verschimmelt Kraut.
Das mir nechst Themison für Balsam geben wolte Als ich nach seinem Rest den Wagen saubern solte. Denn schwieg er wie Carin, dem Muth und Zung entschlieff Als die bewegte Stadt ihn anzuhören lieff.
Doch was kan dieser nicht bey dem die Scham verlohren Sein Silber ward (nicht er) zu diesem Amt erkohren. Sein Silber sprach vor ihn das bracht ihn in den Stand In welchem er geblüht als sich das gantze Land
Vor seiner Macht entsetzt. Doch die ist nun verschwunden Der Lands-Knecht hat das Geld sein Amt ein ander funden Den Tittel hat er noch der bracht ihn zu der Eh' Der bracht ihn auf den Hof der setzt ihn in die Höh'.
Der macht daß ich nicht mehr von seinen Wercken schreibe! Ich der ich meine Zeit in Einsamkeit vertreibe Ich der ich eine nicht als Jungfrau ehren kan Die schon das sechstemal wird Mutter sonder Mann.
Ich der ich einen nicht kan einen Herren nennen Den ich nicht würdig acht' als einen Knecht zu kennen; Ich der nur lachen muß wenn den Josippus ehrt Dem er den Galgen wünscht wenn man den Ruf gelehrt
Den Tallus edel nennt den Bassus wohlgebohren Den Lycus unverzagt und Marrucin den Thoren Ein Wunder dieser Welt. Doch lach' ich nur allein Bey Bauren stellt man Schertz bey Narren Lachen ein.
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