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1640

[Dir Herr der Herrligkeit]

Andreas Gryphius

Dir Herr der Herrligkeit danckt dein verpflichtet Kind Das sich vor deine Füß in Jesu Nahmen find Und in des Geistes Krafft der Abba ruffen lehret In tieffster Niedrigkeit dich seinen Vater ehret.

Du bists der mich mir selbst und was ich an mir hab' Und was ich vor mir seh' aus lauter Liebe gab. Du bists der mich ans Licht aus Mutterleibe führte: Mit Gliedern Haut und Fleisch Verstand Vernunfft auszierte.

Du bists der mich biß heut' auf diese Stund ernehrt Der wann kein Mittel mehr viel Mittel hat beschert Der wañ der Zeiten Sturm mich Blöden wolt ersauffen Mich mit der Vater Hand zog aus den gri isten Tauffen.

Du bists der mich so hoch da ich dein Feind geschätzt Daß du dein einigs Kind vor mich hast aufgesetzt Daß ich durch dessen Dienst die Freyheit möcht ererben Schenckst du das Leben mir durch sein erschrecklich Sterben.

Ich werde durch sein Blut von meinen Greueln rein Und geh' durch seine Schmach ins Reich der Ehren ein. Er zahlet mein Schuld er ist vor mich verhöhnet Er trug den Fluch vor mich durch ihn bin ich versöhnet.

Er schenckt was er erwarb mir gantz zum Eigenthum Er gibt mir seinen Geist sein Unschuld ist mein Ruhm; Sein Fleisch ist meine Speiß Er reist mich aus den Stricken Der Höll und wil mein Hertz mit seinem Blut erquicken.

Er zeiget mir den Weg zur höchsten Herrligkeit Er ist die Warheit selbst und führt aus Zanck und Streit. Er ist (O Wunder-Lieb! O höchste Treu!) das Leben Er ists der alles mir zugleich mit sich gegeben.

Dir Herr der Herrligkeit danckt dein verpflichtet Kind Das sich für deine Füß' in Jesu Nahmen find Und in des Geistes Krafft der Abba ruffen lehret In tieffster Niedrigkeit dich seinen Vater ehret.

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