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Buß-Lied

Andreas Gryphius

Weh mir! mein sterbend Hertz Vergeht in heissem Schmertz Die scharffe Gifft der Sünden Greifft schon die Geister an

Wer ist der retten kan? Ich muß in Angst verschwinden. Der angesteckte Muth Schmacht in der Laster-Gluth

Die Kräffte sind zerronnen; Wie auff der Gipffel Höh Der auffgetaute Schnee Schmeltzt in dem Strahl der Sonnen.

Es ist um mich geschehn Ich muß den Abgrund sehn Und in die Grufft versincken! Doch kanst du höchster GOTT

Abwenden meine Noth Nur durch ein einig Wincken. Ach Vater schaff in mir Ein Hertz das einig dir

Mög unbefleckt gefallen Das rein von Missethat Sich müh nach deinem Rath Auf rechter Bahn zu wallen.

Laß den gewissen Geist Der GOTT und Lehrer heist Die Seele gantz erneuen: Daß ich mich mög in dir

Weil dieser Trost in mir Nach höchster Angst erfreuen. Stoß Vater stoß mich nicht Von deinem Angesicht;

Ach heiß von mir nicht scheiden Die mehr denn heilge Krafft Die Schutz und Stärcke schafft Auch in dem gri isten Leiden!

Hier sitz ich sonder Rath Versetzt durch Missethat In grause Bangigkeiten. Kein Freund fragt mehr nach mir

Mein Heyland ach! ich spür Des Todes Bitterkeiten. Der Feind höhnt und verlacht Mich nun ich sonder Macht

Gantz hülffloß untergehe. Hier beut mir niemand Hand Weil ich in Kett und Band Durchaus verlassen stehe.

Mein Vater schau mich an Du bist der trösten kan Wenn aller Trost verschwunden. Ich hab in höchster Noth

Ja mitten in dem Todt Stets hülffreich dich befunden. Dein freudenreicher Geist Der uns nicht zagen heist

Der Sinn und Krafft erwecket Durch den man herrlich siegt Wenn uns die Welt bekriegt Und Höll und Teuffel schrecket.

Der Geist der Brunn der Güt Der stärcke mein Gemüth Und leite meine Sinnen Durch Ihn wil ich die Cron

Den höchsten Gnaden-Lohn In jener Welt gewinnen.

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