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Auf einer nahen Anverwandtin Tod

Andreas Gryphius

Der Frühling meiner Zeit und Anfang erster Tage Verschwand in Angst und Ach und rauher Traurigkeit Mein Weinen und Verstand bejammerte die Plage Die mir auf dieser Welt die rauhe Noth bereit.

So bald sich die Vernunft fand in ein besser Wesen Und der gezierte Leib zu etwas Kräfften kam Lernt ich der Menschen Leid aus fremden Unfall lesen Aus dem ich eigne Furcht und Hoffnung an mich nahm

Bald brach der Jammer an mit ungeheurem Leiden Das schnelle Wetter fiel auf mich noch zarte Blum Man zwang von Grab und Haus der Eltern mich zu scheiden Und gab in fremde Macht mein freyes Eigenthum.

Da hab ich Welt und Tod bey zweyer Männer Leichen Und in der Einsamkeit der Freunde Treu erkennt. Ach Menschen! eure Gunst stirbt eh als wir erbleichen Gleich wie der Thau verraucht wenn nun der Mittag brennt.

Der Schmertzen grimme Qual des Vaterlandes Aschen Dieselbe raubten mir die treffliche Gestalt Indem ich stets mich must aus heissen Thränen waschen Verdorret ich und ward vor meinem Alter alt.

Hier ruh ich dann die hier kaum eine Ruh genossen Und finde was umsonst die trübe Welt begehrt: Das Leben hätt ich wohl noch viel zu früh beschlossen Wenn Gott ein bessers mir dort oben nicht beschert.

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