Skip to content
1640

9.Beschluß deß Jahres

Andreas Gryphius

Je mehr wir Jahre zehlen: Je mehr vns Tage fehlen Je mehr vns Zeit abgeht: Diß Leben selbst verschwindet:

Weil sich das Alter findet. Vnd seine Maß erhöht. Wie vns die Jahr entfallen Weil wir auff Erden wallen

Wie sich das Ziel abkürtzt: So wird mit ihm verlohren Was in der Zeit geboren Die alles fäll't vnd stürtzt.

In dem ein Jahr vergangen: Hat eines angefangen Den Anfang führt das End Vor stig die Sonne nieder:

Itzt kommt ihr Wagen wieder Der schon was höher rennt. So ob wir hier veralten: Ob Händ vnd Hertz erkalten

Gehn wir doch gar nicht ein: So viel wir abgenommen So nahe sind wir kommen Der Wollust oder Pein.

Ach Menschen diese Jahre Die führen nach der Baare Vnd noch der Baar zur Kron: Sie führen zu dem Throne

Dem ewig hohen Lohne Wo nicht zu stetem Hohn. Vnendlich ewig Wesen: Durch dessen Tod genesen

Was Zeit vnd Jahre zehlt! Ach laß vnendlich Leben Für die du dich gegeben Vnd zu der Braut erwehlt!

Sol sie die Zeit bewehren So laß sie nicht beschweren Mit dem was zeitlich ist Gib ewige Gedancken:

Der; die in diesem Schrancken Zur Ewigkeit erkist Daß wenn sie abgeleget Was sie als sterblich träget

Der rauen Jahre Last. Sich zu dir mög' erheben Der du ein Mensch im Leben Jahr' auch gezehlet hast.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
9.Beschluß deß Jahres · Andreas Gryphius · Poetry Cove