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1640

3.

Andreas Gryphius

Ich irre gantz allein Verstossen vnd verlacht Vmbringt mit Schmertz vnd Pein Bey dunckel-grauser Nacht

Nicht einer beut die Faust nicht einer zeigt die Wege Die müden Füsse sind verletzet In dem mein Elend mir nachsetzet Auff dem gespitzter Stein- vnd Dörner vollen Stege

Woher? wo eil ich hin? Ich! der die rechte Bahn verlohren Auff den sich Freund vnd Feind verschworen Ich! der von aller Welt numehr verrahten bin!

Welch grauen fält mich an! Welch Elend reisst mich hin? Ist wer der retten kan? Wo sterben nur Gewin!

Der Abgrund schluckt mich ein! die Wellen rauer Jammer Bedecken die zuraufften Hare! In dem ich ins Verterben fahre: In aller Hellen Hell: vnd grimme Folter Kammer.

Vor mir erscheint der Tod In mir herrscht Furcht vnd kaltes Zittern. Vmb mich erkracht mit Vngewittern Der auff den schwachen Geist zuhart erhitzte Gott.

Doch du! durch den was Athem hat muß leben; Wirst mich nicht lassen gantz verschmachten: Wil man mich als entseelt gleich achten! Kanst du dem müden Fleisch doch neue Geister geben!

Auff dein Wort brennt die Flamme nicht Das Meer gibt seinen Raub auß tieffstem Grunde wieder Die dürren todten Bein ergentzen sich in Glieder Vnd hören was dein Mund außspricht.

Glaubt nicht daß ich verlohren sey! Gott macht mich lebend starck vnd frey! Der Feinde grimme Schaar Die sich auff mich verband

Dreut mit der schwartzen Baar Vnd plagt mit Stahl vnd Brand Sie blecken mit dem Maul sie rümpfen ihre Nasen Hör' an wie sie so höhnisch lachen!

Sie pfeiffen als erhitzte Drachen Die Gifft vnd Gall vnd Rauch auß ihrem Rachen blasen. Sie setzen auff mich an! Als Tyger durch Verlust erbittert:

Wie wenn ein Löw von Hunger zittert: Dem kein behertzter Mensch den Raub abjagen kan. Der du mit einem Wort Das tolle schnauben brichst

Der du an iedem Ort Ein rechtes Vrtheil sprichst Beweiß' anitzt daß dich der Schlaff nicht überwunden! Reiß deiner Wolcken Hüll in Stücken

Schau auff die Mörder die mich drücken Vnd zeige daß dir noch die Hände nicht gebunden Der grimme Trotz verschwindt Wann deine Rechte sich läst mercken:

Der Feind vergeht in seinen Wercken Vnd wird für deiner Krafft Dunst Nebel Rauch vnd Wind. Wagt eure Macht! ihr Rasend-dolle Schaaren! Auff mich dehn Welt vnd Teuffel hassen

Auff mich dehn alle Freunde lassen Mich wird deß Herren Faust die rechte Faust bewahren Man reißt mich dem nicht auß der Hand Der mich als einen Ring an seinem Finger träget

Er hält mich wann der Grund der Erden sich beweget Vnd Sündflutt überschwemmt das Land. Denckt nicht daß der mög' vntergehen Den ihr auff Gott dem Felß seht stehen.

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