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2.Verlangen nach den Ewigen Hügeln

Andreas Gryphius

Der schnellen tage Traum: Der leichten jahre raum Rennet mit vnß nach der schwartzen Bar: Eh' ich die zeit erkent

Wird meine zeit vollendt. Wir dringen durch die welt (Die stündlich wächst vnd fällt) Nach der erblaßten Völcker schar!

Wir die wir lebend todt Vnd stets voll herber noth. Mit Thränen grüssen wir In thränen lebt man hier:

Mit thränen gibt man gutte nacht! Was ist der Erden Saal? Ein herber thränen Thal! Wie Rosen die wir zihn.

Auff Dörnern nur verblühn. Wie ein verworff'nes Kind verschmacht: So muß wer hie wil stehn In kummer vntergehn.

Wenn der Morgenglantz der Erden Tausendfaches leidt entdeckt! Ruff ich: Ach wie wird es werden! Ach wie wird mein Hertz erschreckt

Wenn die Nacht nun eingeschlichen Vnd der stille Mond erwacht: Schrey ich! ach wer ich erblichen. Würd' ich doch ins Grab gebracht.

Platz der ewig-stätten wonne, Ewig-lichter Himmelbaw Wie daß ich nicht deine Sonne Meiner Seelen licht anschaw?

Wer mag die nicht seelig nennen Die auff deinen lichtern gehn? Vnd der Lichter Fürst erkennen; Die an GOTTES seiten stehn.

O Burg der sterbligkeit! O Kercker voll von Leidt! O Erden Leichen-volle grufft! O Schlachtbanck Stock vnd See

O Abgrund-tieffes weh'! Wie lange zieh' ich noch Beschwert an deinem Joch'. Wie daß mir nicht mein Liebster rufft?

Der mich mit trost entsetzt Wenn mich die Angst verletzt! Ach! meiner Seelen licht! Ach meine zuversicht!

Erquicke mich in diesem schmertz! Ernewre die Gedult Vergiß der alten Schuldt! Reiß was mich bindt entzwey!

Vnd mach' auß nöthen frey Ein dir so fest-verlobtes Hertz! Vnd führ auß dieser pein Mich in dein Wonhauß eyn.

Wenn wirst du die nassen wangen Trücknen mit der sanfften Handt? Ach wenn wirst du mich vmbfangen Mit der süssen Arme bandt?

Wenn wirst du von meinem Rucken Reissen dieser Bürden pein Die mich vnauffhörlich drücken? Komm' Erlöser brich doch ein!

Kom gewündschter laß mich küssen Dein liebreiches Angesicht! Heiß den Himmel mir auffschlissen: Nun mit wonung hier gebricht!

Gutte Nacht verfluchtes Leben! Das man vnrecht leben nennt! Der sich einig dir ergeben; Hatt was leben nie erkennt.

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