Reine Lib' ists die nichts zwinget
Ob der Erden Abgrund kracht;
Ob durch schwartze Lüffte dringet
Der entbranten Stralen-Macht.
Keiner Thaten Wunder-Wercke
Dämpfen treuer Liebe Stärcke.
Spannt der Tod schon seinen Bogen
Steckt er Trauer-Fackeln an!
Sie hat ihre Sehn gezogen
Der nichts wiederstehen kan.
Ihre Glut brennt wenn wir Erden
Vnd zur Handvoll Aschen werden.
Wenn die Helle sich erschüttert
Vnd mit Ach! vnd Folter schreckt
Vnd der Aengsten Angst sich wüttert
Wird ihr Eyver mehr entsteckt
Lieb ist nichts denn Glut vnd Flammen
Wie Gott Licht vnd Feur zusammen.
Lasst die stoltzen Wellen toben
Schäumt ihr Meere! braust vnd schmeist
Wenn der strenge Nord von oben
In deß Saltzes Täuff einreist:
Wird doch Wind vnd Wassers kämpffen
Nicht den Brand der Liebe dämpffen.
Lieb ist der nichts gleich zu schätzen
Wenn man alles Gold der Welt
Gleich wolt' auff die Wage setzen:
Lieb ist die den Außschlag hält
Lieb ists trotz der Slber-Hauffen
Nur durch Liebe zuerkauffen.