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1640

10.Judæ Verzweiffelung

Andreas Gryphius

O Gri i'ge Hertzenrisse! O herbe Seelenbisse! O allzuspäte Reu! Was hilfft sich selbst anklagen!

Was hilfft vor allen sagen: Von gar zu hart verletzter Treu? Nun der Verräther sihet Wie hoch man sich bemühet

Vmb Christi Todes Pein! Wil Er in Tausend Nöthen Vertäufft sich selbst ertödten Selbst Richter Zeug vnd Hencker seyn.

Er bringt den Lohn voll Zagen Den Priestern hergetragen Vnd rufft: Ich armer Mann! Ich hab' ach Missethaten!

Vnschuldig Blut verrathen! Wer ist der mir verzeihen kan? Die Hohenpriester sprechen Wehn kümmert dein Verbrechen

Wehn geht der Vorruck an? Du hast dein Geld bekommen: Du hast es angenommen! Verweiß es dir. Du bist der Mann.

Er wirfft die Müntz auß Schmertzen Mit hartbeklämmten Hertzen Selbst in den Tempel hin; Laufft zu verfluchten Stricken

Vnd muß in Ach ersticken Das ist sein hochgeschätzt Gewin. Die Leiche muß zuspringen Sein Eingeweid' außdringen

Zum Scheusall aller Welt: Wie wird man denn anlegen! Wofür wird man außwägen Diß durch den Mord befleckte Geldt?

Die Priester selbst bekennen Man müß es Bluttgeld nennen Das wenn mans recht bedenckt Gar keinen Platz nicht habe

Wo man zu Gottes Gabe Ein nicht gezwungen Opffer schenckt. Doch als sie sich vergleichen: Lässt man die Summe reichen

Vor eines Töpffers Grund Die Frembden zu begraben: Gott wolt' es also haben Zu retten deß Propheten Mund.

So schrecklich ist vergangen Der von dem Geitz gefangen Diß Blutt zu Marckte bracht! In diese Wehmuth lauffen

Die Christum noch verkauffen Wenn deß Gewissens Grimm erwacht.

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