Die trawrige Sion Die bis in den todt betrübte Die itz wäise vor gelibte Reist ihre lorberkron
Von dem zuraufften haar sie wirfft der perlen zier Sie wirfft der stäine pracht den güldnen schmuck von ihr. Vnd windt die händ' vndt schlägt die brüste. Sie weint sie rufft sie schreit sie klagt
Sie siht sie start sie felt sie zagt Als wen sie gantz verzweifeln müste. Ach spricht sie ach der Herr mein leben Hatt mich in meiner angst verlassen!
Der den ich liebe will mich hassen! Vnd meinem erbfeind vbergeben. Er fragt nicht mehr nach mir er läst mich aus der acht! Er denckt an Sion nicht an Sion die verschmacht.
Dvrchsucht das weite landt: Suche Sion in den feldern Suche Sion in den wäldern Wo menschen nur bekandt:
Ob eine mutter sey die auch ihr eigen kindt Aus ihrem hertzen setz' ob eine schlag in windt Das starcke recht das sie zue lieben Die bittersüsse bürde zwingt:
Das recht das seel vndt sin durchdringt Das die natur selbst vorgeschriben. Wo ist ein weib die ohn empfinden Ihr eigen fleisch das sie gebohren
Des leibes zartte frucht verlohren? Fürwar der Geist will schier verschwinden: Sie zittert sie erschrickt als für der Todten-grufft. Im faall der kleine sohn: Ach mutter mutter rufft.
Doch! gesetzt das auff der erden Solch ein vnmensch solch ein stein Woll mög' an zutreffen sein! Solch ein weib die nicht will fragen
Nach dem was ihr leib getragen Wiltu darumb trawrig werden? Nein Sion! wo natur vndt blut ja trigen kan! Nimbt eine mutter gleich ihr eigen kindt nicht an:
So glaube doch! ich lasse nicht von dir Du bleibest mein: ich sorge für vndt für Für dich mein kindt dis sey der trewe pfandt: Ich habe dich gezeichnet in die handt.
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