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1616–1664

1.

Andreas Gryphius

Süsses Kind der Vätter hoffen: Kind der Menschen Lösegeldt Steht der Himmel nunmehr offen? Liefert

Heyland wirst du nun gebohren Zu erlösen was verlohren? Den eh’ ewig angebrochen GoTT jhm ewig gleich gebahr:

Wortt das GOTT hat außgesprochen Das im anfang war vnd wahr; GoTT das Wunder! GOtt soll

Heiligkeit der höchsten Gütte! Ach! verläst du deinen Thron! Wie entsetzt sich mein Gemütte! Wird GOtt eines Menschen Sohn?

Den nichts was er schuff kan schlissen: Kan die zarte Jungfer küssen. Ach! Er komm’t er wird gebohren Weil der bleiche Monden wacht

Vor dem Liecht sein Liecht verlohren Kommt verhüll’t mit schwartzer Nacht. Den viel tausend Jahr begehret: Wird eh’ als man meynt beschehret.

Doch er wird den alle kennen Nicht von seinem Volck’ erkannt. Der die Welt sein Hauß kan nennen Wird in einen Stall verbannt

Der der Erden grund beweget Wird auff dürres Hew geleget. Dem der Donner zu gebotte Dem der Blitz zu dinste steht

Der an Macht dem höchsten GOtte Alß an wesen gleiche geht Der was ist vnd ward gebawet Wird hier alß ein Kind geschawet.

Kan der Kan die Jungfraw Mutter seyn Tritt diß Kind der Drachen Köpffe Vnd deß Sathans scheytel eyn?

Wird die Weißheit selbst zum Kinde? Trägt die Vnschuld meine Sünde: Jrr' ich? nein! ich schaw den Himmel Selbst mit frewden schwanger gehn?

Vnd mit jauchtzendem getümmel Tausend Engel vmb mich stehn! Engel die zu Ehren singen Dem der vnß wil Frieden bringen.

Alles frolock’t! alles lachet! Nur mein hochbetrübtes Hertz; Das im jammer fe Das der Marter-volle Schmertz

Mit stets newen Geisseln plaget Schmacht bey dieser Frewd vnd zaget. Augen die jhr alles sehet Seht was meine Seele schätzt:

Schawt wie mich der Schawt wie mich die Welt verletzt Schaw’t wie mich die Nacht erschrecket Vnd mit trawrigkeit verdecket.

Arm verlassen vnd alleine Fall i Vnd wen wunderts daß ich weyne? Ist mein Leben nicht voll müh?

Könt ich wol die Thränen zwingen. Wenn du selbst sie must vor dringen. Wer die wollust trawrig schawet: Wer die Frewde klagen hört.

Wenn für dem der Der sich selbst der Welt verehrt! Könnte man im Thal der zehren: Sich den Herber Angst erwehren.

Doch dein weynen bringt zu wegen: Was allein ich wündschen soll. Daß sich meine Daß mir in vnd durch dich wol:

Daß ich frey von leid vnd rewen: Mich mit dir werd' ewig frewen.

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