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1616–1664

1.

Andreas Gryphius

Was hör ich für jubiliren? Wer ist der so frölich rufft? Daß Feld Berge Thal vnd Lufft Das gethöne wider geben?

Woher kompt das triumphiren? Mag auch jemand sich erheben Vber mich die ich von oben Durch der grausen Donner tober,

In den staub gestürtzet bin Mag denn ein Menschen geist so gar verteufelt seyn So grausam so verstäint? Klopfft über meiner pein Klopfft man

Tritt man mich in Sandt? Reißt man Kron vnd Zepter hin. Meine Feindin! magst du prangen! Rührt dein stoltzer Ruhm daher

Daß Erd Himmel Lufft vnd Meer Wider mich zur Rach auffstehen? Der du lange nicht entgangen Mag dein Geist so lachend gehen

Daß der Höchste sich ergrimmet Vnd mein Haupt zum zweck bestimmet Auff den aller Wetter macht Mit schwartzer wolcken zorn vnd dunckel-rotten

Mit harter schläge Sturm vnd Schwefel-lichter hitz Mit entzünd’ter glutt Vnd der schmertzen flutt Von der

Ohn ists nicht! ich muß bekennen! Daß deß Allerhöchsten Schwerdt Das mir Seel vnd Leib durchfährt Geist vnd Hertze gantz zuschnitten.

GoTTE Vnd der scharffen Pfeyle wütten Die er auff mich abgeschossen: Alß mein freveln jhn verdrossen

Doch ich weiß mein Hertze glaubt! Ich den jetzt jedes blatt vnd jeder wind erschreckt Wil noch die Stunde sehn in welcher ich erweckt Auß der Plagen grufft

In die freye Lufft Werd' auffrichten Hand vnd Haupt. Ist mir alles Licht entzogen: Muß der Sonnen güld’ner Schein

Von mir außgebannet seyn Soll deß zarten Mondes kertzen Die so offt die Welt vmbflogen Weil ich zag' in herben Schmertzen

Mir zu scha Soll der Hellbestern'te Wagen Nicht mir armen mehr auffgehn: So wird des HErren Glantz. Das dunckel das mich deckt

Die Nacht die mich verhüllt: das grawen das mich schreckt Wenden. weil sein Strahl In dem trüben Thal Mit viel glantz vmb mich wird stehn.

Wol! Ich wil die last der plagen Vnd den jammer-reichen spott Den der Mir auf bende Schultern leget

Mit getroßtem Daß Er jtzt so grimmig schläget Hab ich Niemand schuld zu geben Alß dem rohen tollen Leben.

Das ich tag für tag verübt Schlag straffe streich vñ schmeiß. Ich habe mehr verschuldt Ich wil die Kinder Rutt ertragen mit geduldt Schlag hier schone dort

Besser Rutt alß Mord. Besser nun alßdann betrübt. GoTT wird was verborgen scheinet Mehr denn

Läst er gleich mein Recht jtzt ruhn Alß obs einmal aufgehoben; Wird doch wenn kein Jeder meine

Was ihr Feinde mit viel lügen Schimpffen schmehen hohn vnd trügen Jtzt verdächtig machen wolt. Wird alß der Sonnen-glantz der Dampff vnd wolcken

trenn't Vnd durch der Nebel dampff am heissen Mittag rennt Brechen durch die Nacht Daß die jhr jtzt lacht

Heulen vnd erblinden soll’t. Für mich wird der Außspruch fallen! Denckt! wie werdet jhr bestehen? Mit was schimpff vnd spott hingehn?

HeRR! wie wird mein Hertz dich preisen? Ach! wie wird dem Lob erschallen Wenn du wirst die harten Eysen Meiner armen schwere Fösser

Meiner Brechen durch ein wort entzwey! Wenn dieser frewden Abwechßlen werd ich gleich dem so vom traum erwacht

Meine Frewde sehn An dem was geschehn Loß von Angst der wehmutt frey.

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