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1616–1664

1.

Andreas Gryphius

Es ist vergebens Laelia daß man acht Der Augen glantz der trefflichen Der Purpur Sey mächtig dieses Hertz zufangen!

Nein! ewre Lippen sind nur umbsonst bemüht! Ob gleich diß Antlitz gleich einer Rose blüht: Ob gleich das übersüsse singen Auch mächtig Löwen zu bezwingen!

Schönste Syren Der lieblichen Seiten klang Die marmor Brust der lustigen Diß Der Leib dem kein geschöpff zu gleichen;

Der Hände Schnee der mächtigen Arme bandt Sind viel zu nichtig wenn nicht das werthe Pfandt Das nur deß Himmels gunst außtheilet Die Tugend ew’re schwachheit heilet.

Die werthe Tugend Laelia bleibt vnd steht! Wenn nun die schönheit alß lichter blitz vergeht Vnd wenn die beyden Vnd wenn der Cörper wird zur Leichen.

Die steckt mich jetzt mit schütternden flamen an! Die macht daß ich mich selbst nicht regiren kan Die zwingt mich auß mir selbst zu reissen Vnd was nicht ewig hin zuschmeissen.

Weg welt! weg Erden! nichtige Phantasie! Weg Weg was mein Geist zuvor geliebet! Weg was mein schlechtes Hertz betrübet.

Gelehrte Thorheit! köstlicher vnverstandt! Vor mein begehren! jtzt nun du nur bekandt Mein Schmertz vnd Jrren geh' bey seitte: Eh’ ich mich ferner mehr verleitte.

Weg meine Lauten! was wird das singen seyn Wenn man die Glieder setzt in die gruben eyn? Wird jemand was ich schreibe lesen; Wann ich werd’ in der grufft verwesen?

Was Bloß vnd alleine nach dem Daß mich ein sterblich Mensch geehret: Vnd mir mit anmuth zu gehöret?

Die Tugend bricht das schreckliche Netz entzwey: Trotzt Tod vnd Sie lehrt was jrrdisch ist verlachen. Vnd kan vnß gleich den Göttern machen.

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