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1675–1771

Uber zwey Verliebte. Paspiè.

Johann Georg Gressel

So kühlet und löschet die lüsterne Flammen Umarmet die Leiber in hefftiger Brunst So flösset die Seelen und Geister zusammen Und theilet in Liebe die heimliche Gunst:

Vergnüget die Seelen durch wechselnde Küsse So drücket und bücket zusammen die Brust Vereinget mit Anmuth der Und schmecket den Zucker der höhesten Lust.

Beküsset eur Grab-Mahl auf Lippen und Brüsten Und schmecket in Anmuth den süssesten Tod Zerfliesset in Freuden ersterbet in Lüsten Und kostet im Sterben ein liebliches Brodt.

Jhr sterbet in Lüsten ihr ruhet in Freuden Drum sterbet nur offte und tausend mahl mehr Die Seelen die können im Sterben sich weiden Die Schätze der Liebe sind niemahls da leer.

Ersterbet nur häuffig so offt’ als ihr wollet Und wünschet euch immer die süsseste Pein Weil So scharrt man mit Anmuth die Todten hinein.

Ach süsses Vergnügen! ach liebliches Sterben! Wo häuffige Anmuth dasselbe beseelt; Es wünscht sich einjeder ein solches Verderbeu Weil keine Betrübniß die Sterbenden quählt.

Jhr lebet im Sterben ihr spielet in Flammen Jhr ruffet das Leben zu küssen den Tod Jhr röchelt und fliesset in Wollust zusammen Und wünschet nur immer die liebliche Noht.

Die Seelen verlangen so immer zu leben Und lieben den Wechsel der tödtlichen Lust Sie wollen stets lebend die Geister auffgeben Und suchen ihr Grab-Mahl im Schoosse und Brust

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