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1675–1771

Neu-Jahrs-Wunsch an eine vornehme Gönnerinn im Nahmen eines andern.

Johann Georg Gressel

Als noch das alte Rom Minerven Opffer brachte Und Wie es den Eichen Krantz um Und gantz erfreuet sprach: Nun ist das neue Jahr.

Da sah man die bemüht mit Wünschen und mit Gaben Die ein danckbares Hertz vermeyneten zu haben. Der weise Wenn er die Danckbarkeit die schönste Tugend nennt.

Sie ist des Himmels-Bild und eine Brut von oben Aus deren Trieben man den schönen Ursprung kennt Die Götter lieben sie und alle die sie lieben Ja sie befehlen selbst wir sollen solche üben.

Jetzt da der frohe Tag nun wiederum erscheinet Den Tag den uns der Herr zur Freud und Lust gemacht Der Tag der Freude bringt an dem kein Auge weinet An welchem jedermann mit vollem Munde lacht

So soll auch meine Pflicht erkenntlich sich erweisen Und die genoßne Gunst mit hohen Dancke preisen. Sie ists Hochwertheste die so viel Gütigkeiten Ja tausend und noch mehr mir unverdient erzeigt

Sie ist es deren Gunst sich noch zu allen Zeiten Wenn ich etwas bedurfft mit Raht zu mir geneigt. Was sage ich mit Raht in Worten und in Wercken Ließ sie ihr gütigs Hertz in allen Sachen mercken

Vor alle solche Gunst ist mein erfreut Gemühte Nun es die Zeit befiehlt mit Lob und Danck bereit Gerechter Himmel gib vor alle ihre Güte Jhr die Belohnung hier und dort in Ewigkeit

Laß nie den Unglücks Wind auf ihre Wohnung wehen Laß sie in höchster Lust auf lauter Rosen gehen. Dis ist der treue Wunsch den mein Gemühte heget Der Himmel ists der Ja und Amen dazu spricht

So lange sich mein Hertz in meinem Busen reget So lange läst mein Mund den heissen Seuffzer nicht. Sie und ihr gantzes Haus muß sich mit Anmuth weiden Bis sie der Höchste nimmt in jene Himmels-Freuden.

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