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1675–1771

Liebes-Brief an eine Nachbarinn.

Johann Georg Gressel

Galante Nachbarin erbrich ein kleines Schreiben Das ein entflammter Geist aufs weisse Blat gestellt; Mein Feuer müste zwar noch wol verborgen bleiben Allein! wer widersteht wenn Dach und Giebel fällt.

Wenn der gesammte Bau in lichten Flammen stehet So fliehet jedermann und sucht bey andern Raht Eh’ als das gantze Haus im Rauch und Dampff vergehet Und die erboßte Flamm zu weit gefressen hat.

Mein Hertz brennt lichterloh die heissen Funcken stieben Mir aus den Augen raus: die helle Liebes-Gluht Ist schon neun Monden lang bey mir verborgen blieben Wodurch mir ist verseigt mein Nahrungs-Oehl das Blut.

Ist nun von deiner Hand nicht Hülffe zu erlangen? So muß mein Hertzens-Bau in Flammen untergehn; Doch stoltze Hoffnung lässt mich schon mit Beystand prangen Weil meinen Untergang dein Auge nicht kan sehn.

Denn brennt des Nächsten Wand so ist Gefahr verhanden Vor jenen der zunächst an solchen Flammen wohnt; Es pflegt der harte Sinn am Wehmuhts-Fels zu stranden Weil die erzürnte Gluht auch seinen Bau nicht schont.

Ein jeder träget bey was zur Errettung dienet Setzt Feindschaft an die Seit’ und steurt den wilden Brand Weil durch gethane Hülff die Wohlfahrts-Pflantze grünet Und angewandter Fleiß beschützet seine Wand.

Allem! hier seh’ ich gern daß auch mit heissen Flammen Dein annoch kaltes Hertz in Liebe werd’ entbrennt; Daß du magst meine Gluht als schädlich nicht verdammen So da der Tugend-Bahn im minsten nicht verkennt.

Schlägt nun mein Bitten an werd’ ich Erhörung finden So wird mein krancker Geist ins Paradiß verrückt. Ich werde vor Wo sich

Ich werde in dem Port der frohen Hoffnung länden Und treiben an das Land der Glückes-Insul an Die lange Nacht wird sich mit hellem Morgen enden Und

Mein Nachdem ihm seine Sonn’ geht in der Nähe auf Ich werde durch den Sturm zum grünen Berge dringen Weil mir kein

Wird nun auch kein Verzug an deiner Seiten liegen So schreib mir Nachbarinn gewünscht bald wieder zu Gedenck daß ich den Brand schon lang’ genug verschwiegen Und setz durch gute Schrifft mein traurges Hertz in Ruh.

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Liebes-Brief an eine Nachbarinn. · Johann Georg Gressel · Poetry Cove