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1675–1771

Liebes-Brief an Amalien.

Johann Georg Gressel

Amalie ein Brief von meiner Hand geschrieben Eilt mit geschwinden Flug durch Sehnsucht fortgetrieben Als jene Taube fliegt die Zu deiner Wohnung hin und wil die Ehr-Furcht zeigen

Die mich verbindlich macht demühtig sich zu neigen Wo deinen Nahmen zeigt auch meines Feindes Wand. Weil man die Götter muß mit grosser Ehr-Furcht ehren So wirst du deinem Knecht als Göttin nicht verwehren

Daß er dem Hand Altar beliebten Weyrauch schenckt Wie man ihn sonst der Mund und andern Gliedern weyhet. Was hier in Armuth wird anjetzo ausgestreuet Zeigt an daß meine Brust allzeit an dich gedenckt.

Hier reich ich nun den Kern der schönsten Räucher-Kertzen Denn weil dein Nahrungs-Oehl dem starck ent flam̃ten Hertzen Den kräfftigsten Geruch und süsse Anmuth giebt So gebe ich es dir zum Opffer deiner Hände

Davor zum Gegen-Gruß mir deines wieder sende Und laß den Wahl-Spruch seyn: geliebt.

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Liebes-Brief an Amalien. · Johann Georg Gressel · Poetry Cove