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1675–1771

Gedancken über das Bildniß einer Schö- nen in der Tabaquier.

Johann Georg Gressel

Bey diesem Wunder-Bild da fehlet nur der Geist Nicht prächtige Gestalt und das was Schönheit heist Das milcherne Gesicht die Seiden-gleiche Wangen Sieht man voll Lieblichkeit im stoltzen Schmucke prangen.

Die Augen sind ein Pech gesetzet in dem Schnee Des Busens schöne Frucht die quillet in die Höh; Doch gönnet uns die Hand nur halb die schönen Früchte Und zieht das Wunder-Land uns meist aus dem Gesichte

Das Marmor übersteigt und Hertzen brennen macht Denn offtmahls hat ein Bild ein grosses Feur gebracht. Kan dieses die So wird das rechte Bild bald unser Bande lachen.

Die Augen werden seyn zwey Lichter voller Feur Ein Flammen-reicher Ort ein blitzend Ungehenr; Die Brüste werden an den Feuer-Bergen siegen Worinn

Und fehlt hier schon der Geist heist es ein todtes Bild So ist doch diese Pracht in kein Gedicht verhüllt: Denn das Und einer schönen Stadt ist es znm Schmuck gegeben.

Kan man schon ihre Pracht und Schönheit nicht besehn Dieweil es Glück und Zeit allhter nicht läst geschehn So will ich doch dis Bild mit höchster Demuth grüssen Und wie ein Heiligthum in dem Behältniß küssen.

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