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1675–1771

Er zürnet mit sich daß er so wanckelmütig.

Johann Georg Gressel

Wo denckt ihr hin ihr flüchtigen Gedancken? Welch Unbestand nimmt euch ihr Sinnen ein? Heist dieses wol treu und beständig seyn? Bald hie und denn bald dort hinaus zu wancken.

Was nützet euch die falsche Heucheley? Wie! wenn ihr lieben wolt so liebet treu. So liebet treu mein Glück ist noch verhanden Das Wetter so ihr Antlitz überzieht

Wird nicht beständig seyn ihr Zorn entflieht So schleunig als er bey dir ist entstanden Geduldet euch nur eine kleine Zeit So wird zum Ende seyn euer hartes Leid.

Eur hartes Leid wird sich in Lust verkehren Bey Rosen lassen sich die Dornen sehn So kan man auch nicht stets auf Sammet gehn Die Liebe will nicht immer Lust verehren

Zuweilen sie auch scharffe Salsen giebt Und prüfet uns ob man beständig lieb’t Beständig liebt ein recht verliebtes Hertze Es wancket nicht ob schon ein Sturm entsteht

Wenn alles neben ihm zu Grunde geht. So brennet doch in ihm die Liebes-Kertze Die keine Noht wie groß sie ist ausbläßt Bis daß den matten Leib der Geist verläst.

Der Geist verläst offt eh des Leibes-Höle Als daß er seine treue Liebe bricht Wohin man einst den steiffen Sinn gericht Dahin verlanget immerfort die Seele

Ich fühle auch das angenehme Strick Das nach Nun zieht zurück bleibt immer fort beständig Der Sieger wird erst nach der Schlacht gekröhnt

Wer sich recht nach dem Sieges-Krantze sehnt Den machet nichts von seinem Zweck abwendig. Weil ich nun auch ein So flieht die Meuterey wo denckt ihr hin?

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