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1675–1771

Er tröstet sich selbst in seinem Unglücke.

Johann Georg Gressel

Ein Hertz daß sich mit Sorgen plagt Verzehrt sich selbst vor Zeiten Wer täglich über Unglück klagt Wird sich das Grab bereiten:

Es kan doch nichts beständig seyn Auf Regen folget Sonnenschein. Die Zeiten sind veränderlich Es wechseln Tag und Stunden

Es hat nach Blitz und Donner sich Die Stille eingefunden Die Nacht kan nicht so finster seyn Der Tag bricht wiederum herein.

Hält gleich das angenehme Licht Des Glückes sich verborgen So glaub ich gläntzt es heute nicht Daß es doch scheinet morgen

Es kommt bey mir auch wol der Tag Daß ich mich glücklich nennen mag. Ein Schiff daß in der Wassers-Fluth Mit ’Wind und Wellen streitet

Verlieret nicht so fort den Muth Weil es die Hoffnung leitet Es werde bald den Sturm entgehn Und sich im sichern Hafen sehn.

Liegt gleich mein Schiff vor Ancker noch Und hat So ist bey mir die Hoffnung doch Daß ich noch endlich finde

Den Haven der mir ist beschert Und den mein Wünschen längst begehrt. Wer weiß wo noch mein Glücke soll In voller Blühte stehen

Und scheinet es heute noch so toll Kans morgen doch geschehen Daß ich durch einen guten Weg Erlange den gewünschten Zweck.

Das Glücke ist den Rädern gleich Das Unterste kommt oben Der heute arm ist morgen reich Und hört sich herrlich loben

Wie mancher ist im Augenblick Gelangt zu einen grossen Glück. Lacht gleich das Glücke ander an Ich will es ihnen gönnen

Weil auch der Tag erscheinen kan Daran ich werd’ erkennen Daß Hoffnung doch den Preiß behält Bey allen Unglück in der Welt.

Drum mein Gemüth ermuntre dich Und laß die Sorgen fahren Es geht das Glücke wunderlich Man hat es nicht beym Haaren

Laß sorgen wer da sorgen will Ich hoff’ und warte in der Still.

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