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1693

Er liebet sie.

Johann Georg Gressel

Ich lieb dich schönstes Kind Der Anblick deiner zarten Wangen Läßt mir ein solch Gefilde sehn Auf welchem Lilg- und Rosen stehn

Die in der schönsten Blühte prangen. Kein Schnecken-BIut ist zuvergleichen Mit deiner Lippen Wunder-Pracht Womit die Schönheit selber lacht

Vor deinen Mund Corallen weichen. Ich lieb dich schönstes Kind. Ich lieb dich schönstes Kind Von deinen Feuer-reichen Augen

Ist meine Seel in Brand gesetzt Aus dem was deine Lippen nätzt Muß man den Liebes-Nectar saugen. Es laben sich die matten Sinnen

An diesen angenehmen Fluß Durch den so sehr beliebten Kuß Spührt man ein Rosen-Zucker rinnen. Ich lieb dich schönstes Kind.

Ich lieb dich schönstes Kind. Der Ort wo Himmels-Blumen blühen Ist deine wunder-schöne Brust Die Aepffel ungemeiner Lust

Nach dieser zarten Gegend ziehen Ihr Anblick zeiget solche Früchte Woran die Anmuth selbsten baut Und fast einjedes Auge schaut

Nach diesen lieblichen Gerichte. Ich lieb dich schönstes Kind. Ich lieb dich schönstes Kind. Der Wunder-glantz der SchwaanenBrüste

Beschämt das weisse Helffenbein Es führet nicht so schönen Schein Das Marmel-gleiche Stern-Gerüste; Die Anmuths-Rosen so sie decken

In solcher Pracht und Zierde stehn Daß ihr beliebtes Tausend-Schön Verhöhnt das edle Blut der Schnecken. Ich lieb dich schönstes Kind.

Ich lieb dich schönstes Kind. Du Eben-Bild der hellen Sonnen Must mir auch eine Sonne seyn Die mit beliebten Glantz und Schein

Den Geist erquickt den sie gewonnen Kan ich mich an den Blicken laben Und küsse ich die schöne Brust So schmecke ich die frohe Lust

Wodurch man kan den Himmel haben. Ich lieb dich schönstes Kind. Ich lieb dich schönstes Kind. Laß mir den Liebes-Garten offen

Der lauter Lebens-Früchte trägt Lind soviel Anmnth in sich hegt Daß man nicht darf vergebens hoffen. Gedenck' ich an die seltnen Schätze

Die dein verborgnes Eiland giebt So bin ich froh und doch betrübt Weil ich mich nur im Traum ergötze. Ich lieb dich schönstes Kind.

Ich lieb dich schönstes Kind. Erhöre doch mein süsses Leben Das Flehen so dein Knecht ausstößt Die zarte Brust sey mir entblößt

So Milch und Schnecken-Blut umgeben Daraus du Zucker-Lust den Seelen Und holde Anmuth flössest ein Alsdenn verschwindet jene Pein

Womit sich meine Sinnen quählen. Ich lieb dich schönstes Kind.

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Er liebet sie. · Johann Georg Gressel · Poetry Cove