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1675–1771

Er liebet nicht mehr.

Johann Georg Gressel

Von den Banden von den Ketten Ist mein Hertze nun befreyt Davon in so langer Zeit Es sonst kunte nichts erretten:

O höchst beglückter Tag! o angenehme Stunden! Darinnen ich mein Glück und Freyheit wiederfunden. Lachet ihr befreyten Sinnen Und du sonst beklemmte Brust

Schöpff’ aus deiner Freyheit Lust Die eur thörigtes Beginnen Vor einem Blick vergab von ungetreuen Augen Die euch zu nichtes sonst als einer Folter taugen.

Schaut doch an die holden Blicke So euch jetzt das Schicksahl giebt Und wie euch so hertzlich liebt Ein gewünschetes Gelücke

So eure Fesseln bricht euch in die Freyheit setzet Und statt Egyptens Dienst in Solten euch die Augen zwingen? Die nur schlechter Firniß sind

Nein! seyd nicht mehr starre-blind. Last euch aus dem Nebel bringen Der euch mit seinem Dunst bishero hat betrogen Und mehr als Wahrheit ist von ihr euch vorgelogen.

Wer will wol als Sclave leben Wenn er kan erlöset seyn? Und wer geht den Wechsel ein? Seine Freyheit hinzugeben

Vor einem falschen Blick vor ein betrüglichs Lachen. Und wer läst sich aus Lust zu einem Knechte machen? Schützt euch nun in eurem Stande Bleibt der Freyheit zu gethan

Nehmt hinführo nicht mehr an Diese so verhaßte Bande Bemühet euch vielmehr derjenigen zu dienen Bey der ihr Gegen-Gunst und Liebe sehet grünen.

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