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1675–1771

Eines v e rliebten Schreib-Feder redet.

Johann Georg Gressel

Was vielen heimlich ist das kriege ich zu wissen Durch mich wird manche Noht und grosser Schmertz beklagt; Ich sage was man offt sich nicht zu sagen wagt

Und jenes macht entzückt was ich gesetzt vom Küssen. Aus meiner Röhre pflegt der Wollust-Quell zu fliessen So daß die todte Schrifft so Aug’ als Hertz behagt. Mein stummer Mund viel mehr als ein Beredter sagt

Durch mich kan sich ein Paar an fernen Orten grüssen; Durch mich entzünden sich gar offt die kalten Hertzen Mein Wesen zeuget Lust mit Gluth beseelten Schertzen Mein unberedter Mund auch spröde Hertzen zähmt

Ich muß den Liebenden die erste Labsahl zeigen Ich sätze was der Mund sich vorzubringen schämt Und rede vom Papier wenn Zung und Redner schweigen.

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