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1675–1771

Die Wollust an das Frauen-Zimmer.

Johann Georg Gressel

Jhr schönes Jungfern - Volck ihr holden Anmuths- Schwaanen Jhr seyd recht wunder-schön mit Pracht und Schmuck geziert

Schaut auf das Liljen-Feld das auf den Brust-Altanen Mit Rosen untermischt die Anmuth aufgeführt Hört was mein kluger Mund vor süsse Liebes-Lehren Der Freund-und Lieblichkeit euch jetzo geben will.

Jhr seyd das beste Gut der Männer ihr Begehren Wohin ihr Wünschen geht und der Gedancken-Ziel. Sie müssen euch zu Fuß in höchster Demuth fallen Jhr siegt das harsche Hertz der wilden Krieger an

Jhr spielt mit starcker Gluth und werffet Feuer-Ballen Damit man also fort ein Hertz erobern kan. Entblösset eure Brust die Den Geistern müssen sie der Liebe-Koder seyn

Sie sehn da Schnee und Blut zusammen Hochzeit machen Die Anmuth ladet hier die Gäste selber ein. Die Ob sie ein

Die Perlen die man sieht an euren Brüsten hangen Die kühlen wenn man sich den matten Geist verbrennt. So putzt sie denn heraus entblößt euch in die Wette Und seyd mit eurem Schatz nicht übermäßig rar

Er machet euch beliebt und bringet euch zu Bette Und so verkauffet ihr dann theur genug die Waar. Schneidt vorn die Kleider weg die Spitzen weggenommen Den Anfang habt ihr zwar doch nicht genug gemacht

Die Brüste müssen bloß bis an die Wartzen kommen Denn wird der schöne Schmuck ans Tages-Licht gebracht. Auf schnüret in die Höh die weissen Liebes-Ballen Versuchts auf alle Art macht Hals und Brüste bloß

So muß jedwedes Hertz wie hart es ist doch fallen Die Macht des So kan man keinen Blick in euren Busen führen Daß nicht ein freyer Sinn in Sclaven-Ketten ächtzt

Nicht einer kan sein Heyl an solcher Macht probiren Der nicht wenn sie sich zeigt nach ihrer Gnade lächtzt. Wie! wenn ein sanffter Wind auf diesen Atlaß wehet So hält die Lieblichkeit da ihren Tummel Platz

Die Anmuth mit der Lust auf Rosen Blättern gehet Die Artigkeit vermehrt den ungemeinen Schatz. Und wenn ihr nun dadurch die Ober-Herrschafft funden Die euch beliebtes Volck doch schon in Händen ist

So lieget nichts daran daß man den Liebes-Wunden Durch einen holden Blick den herben Schmertz versüßt. Das Schauen gebet zu doch nicht das süsse Küssen Bis sie durch eure Pracht erst recht

Sie sehnen sich darnach und lächtzen nach dem Bissen Die Hoffnung zuckert schon das lange Warten ein. Wenn nun die Liebes-Gluth in lichten Flammen brennet Denn seyd so spröde nicht denn reicht die Kühlung dar.

Jhr Töchter kommet her die ihr mein Wesen kennet Daß eure Brüste seyn mein süsses Rauch-Altar Was ist wol lieblicher als mir der Wollust dienen. Die auf ein Rosen-Bett die satten Glieder legt

Wer giebt euch euren Schmuck der reitzenden Hat nicht mein muntrer Fleiß die Pracht euch eingeprägt? Ich mache daß der Schnee der Perlen weissen Glieder Sich in gar kurtzer Zeit in Alabast verkehrt;

Dann reisset keine Macht die festen Höhen nieder Wann die erhabne Brust mich nur als Mutter ehrt. Jhr seyd in meinem Schutz vor allen Feinden sicher Legt nur die schwere Last des zarten Leibes hin

Verwerffet gantz und gar die mir verhaßten Tücher Und kleidet euch so an wie Was nützt ein grosser Schatz der in der Erden lieget? Was ist ein Diamant der nicht poliret ist?

Was eine zarte Brust die man in Tücher schmieget Daß deren silber Pracht kein heisses Auge küßt? Ich weiß die Antwort wird an eurer Seiten fallen Sie können alle drey zu nichtes dienlich seyn

Doch wenn der Schatz erlößt und bloß die Marmor-Ballen Der Diamant polirt so sind sie alle fein. Die Augen lasset frey an eurem Haupte gehen Und blitzt mit starcken Strahl die heisse Liebes-Gluth.

Denn wird die gantze Welt vor euch entzücket stehen Sie reichet willig dar so Leben Geist als Blut. So nehmet denn in acht die süssen Liebes-Lehren Die euch die Wollust jetzt die treue Mutter giebt

Laßt euch das Winseln nicht der Ehrbarkeit bethören Die eur Und fahrt nur ferner fort die Brüste aufzudecken Die Augen lasset frey in eurem Kopffe gehn

So werdt ihr Ehr und Furcht in jedermann erwecken Denn eure Schönheit wird durch solchen Ausputz schön. Seht wie der Brüste Pracht schon hundert Federn loben Wie

Wie eure Klugheit wird von jedermann erhoben Daß ihr so künstlich könnt die Liebes-Flammen streun. Jhr Töchter meiner Pracht ehrt diese holden Künste Denckt daß mein treuer Mund mit süssen Lehren quilt

Was soll die Ehrbarkeit das leichte Wurm-Gespinste Die auf die Liebes-Lust mit vollem Halse schilt. Ich schliesse meinen Mund ihr angenehmen Schönen Das kahle Weiblein tritt gantz murrisch schon heran

Es will mein treues Wort durch seine Zucht verhönen Die schon vor langer Zeit die

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