Jhr Mädgens ihr seyd Diebe
Jhr stehlet uns das Hertz
Die sonst versüßte Liebe
Ist nur ein herber Schmertz.
Es lockt mit süssen Blicken
Eur schönes Angesicht
Es sucht uns zu bestricken
Das Netz ist aufgericht.
Ob gleich von euren Wangen
Die mit Rubin bedeckt
Wie Purpur Rosen prangen
Wol mancher Zucker schmeckt.
Doch weißt daß dieses Küssen
Uns gar zu schädlich ist
Und der vergiffte Bissen
Durch Marck und Adern frist.
Mich hat noch nie vergnüget
Noch ein’ge Lust geschafft
Wenn auf den Lippen lieget
Der Wollust
Der Brüste Liebes-Rosen
Die unvergleichlich blühn
Mit freuden lieb zu kosen
Mag ich mich nicht bemühn
Nennt sie ein Safft der Bienen
Ja nennt sie Zucker-Lust
Ich will das nicht bedienen
Was mir ein Dornen-Wust.
Last ander eure Wangen
Die Brüste und die Schooß
Beküssen und umpfangen
Ich lebe Zügel loß.
Ich will in Freyheit bleiben
Ich mag kein Sclave seyn
Ich will die Zeit vertreiben
Mit Lust und nicht mit Pein.
Mein sagt was ist das Lieben
Und Küssen eurer Brust?
Nichts denn ein solch Betrüben
Das Gallen schenckt vor Lust.
Ich hasse eure Liebe
Eur Huld und Freundlich seyn
Ich halte euch vor Diebe
Stellt nur eur Schmeicheln ein.