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1675–1771

Die verliebten Diebe.

Johann Georg Gressel

Jhr Mädgens ihr seyd Diebe Jhr stehlet uns das Hertz Die sonst versüßte Liebe Ist nur ein herber Schmertz.

Es lockt mit süssen Blicken Eur schönes Angesicht Es sucht uns zu bestricken Das Netz ist aufgericht.

Ob gleich von euren Wangen Die mit Rubin bedeckt Wie Purpur Rosen prangen Wol mancher Zucker schmeckt.

Doch weißt daß dieses Küssen Uns gar zu schädlich ist Und der vergiffte Bissen Durch Marck und Adern frist.

Mich hat noch nie vergnüget Noch ein’ge Lust geschafft Wenn auf den Lippen lieget Der Wollust

Der Brüste Liebes-Rosen Die unvergleichlich blühn Mit freuden lieb zu kosen Mag ich mich nicht bemühn

Nennt sie ein Safft der Bienen Ja nennt sie Zucker-Lust Ich will das nicht bedienen Was mir ein Dornen-Wust.

Last ander eure Wangen Die Brüste und die Schooß Beküssen und umpfangen Ich lebe Zügel loß.

Ich will in Freyheit bleiben Ich mag kein Sclave seyn Ich will die Zeit vertreiben Mit Lust und nicht mit Pein.

Mein sagt was ist das Lieben Und Küssen eurer Brust? Nichts denn ein solch Betrüben Das Gallen schenckt vor Lust.

Ich hasse eure Liebe Eur Huld und Freundlich seyn Ich halte euch vor Diebe Stellt nur eur Schmeicheln ein.

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