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1675–1771

Die verhaßten Stachel.

Johann Georg Gressel

Was spitz und stachlicht ist daß haßt das Frauen-Zimmer Es schreit wenn ihre Hand ein scharffes Ding berührt. Wenn es die Rosen bricht schillt es die Stacheln immer Die deren Purpur-Zier zur Wache bey sich führt.

Das Honig liebt es zwar doch aber nicht die Bienen Denn deren scharff Gewehr offt ihre Haut verletzt Es liebt das weiche Blat der gläntzenden Die Dornen aber nicht die in dem Zaun gesetzt.

Die Nadel muß ihm zwar im Putze Dienste leisten Allein die Spitze ist so bald sie sticht veracht. Dis ging’ noch alles hin doch kränckt uns dis am meisten Daß unsers Mundes-Zier auch wird dazu gemacht.

Sie mögen hertzlich gern von uns die Küsse nehmen Wenn unser Mannheit-Schmuck nicht um den Lippen steht Denn aber will der Mund sich nicht dazu bequehmen Wenn ihnen nur der Bart in ihre Haut eingeht.

Sind aber Kinder euch die Stachels auch verhasset Die eurer Jungferschafft den lieben Tod anthun? Nein! denn er wird von euch an solchen Ort gefasset Daß ihr im Stechen könnt in süsser Wollust ruhn.

Der Stachel ists der euch alleine will gefallen Da ander Stachels euch zu mahl verhasset seyn Den Stachel liebet ihr an uns vor andern allen Weil er so zärtlich sticht euch eine Wunde ein.

Allein ihr seyd bethört daß ihr den Stachel liebet Der mit dem süssen Stich euch allzu schädlich ist Gesetzt daß euch ein Dorn ein Bart Verletzung giebet So stirbt die Ehr doch nicht die bald das Grab-Mahl küßt.

Haßt doch die Stacheln nicht die euch nicht schaden künnen Vertragt der Dornen-Stich des Bartes auch darbey Der Schmertz der davon kommt pflegt leichte zu zerrinnen Und glaubt der süsse Stich macht viel Beschwererey.

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