So wie Aurora pflegt mit ihren Rosen-Wangen
Bey früher Tages-Zeit an grauer Wolck zu prangen
So wie die Sonne scheint wenn sie aus
In Purpur eingehüllt mit munterm Lauf aufsteht;
So wie ein Rosen-Stock mit halb eröffnten Rosen
Bey kühler Morgen-Zeit den Thau pflegt liebzukosen
So prangt
Den Alabaster Leib aus weichen Federn trägt.
Die Wangen stehen weg den lichten Rosen-Morgen
Von ihren Augen muß die Nacht die Schwärtze borgen
Der Sonnen Purpur weicht vor den Rubinen-Mund
Und hüllt sich als beschämt in
Narcissen kriechen weg vor denen klahren Brüsten
Den Liljen fehlet selbst das Wollen und Gelüsten
An Klahrheit siegt der Leib den heitern Himmel an;
Was irrets? daß man sie nicht Himmel nennen kan.
Vor ihren Strahlen muß der Strahl der Sonnen weichen
In dessen Feur zu sehn durch Witz man kan erreichen
Allein wer bleibet hier mit Adlers Augen stehn
Wer unterwindet sich die Augen anzusehn?
Der nicht so gleich sein Hertz in heisser Gluht befindet
Die ihrer Augen-Blitz darinnen angezündet.
Sie aber bleibet Stahl ihr Hertze gleicht dem Eyß
Das keine Flammen fängt und nichts vom Lieben weiß:
Dem auch der Kieselstein an der Empfindung weichet
Daran ein Regen-Tropff doch mit der Zeit erreichet
Was ein geschwollner Bach in eile nicht verricht
Allein sie bleibet hart mein Weinen nützt mir nicht.
Der Diamant zerspringt in schlechter Thiere Blute
Sie aber wird erhärt von meiner Adern-Glute
Und übertrifft darinn den Stein und Diamant
Daß Blut und Thränen sind umsonst an ihr gewandt.