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1675–1771

Die schöne aber unempfindliche Urania.

Johann Georg Gressel

So wie Aurora pflegt mit ihren Rosen-Wangen Bey früher Tages-Zeit an grauer Wolck zu prangen So wie die Sonne scheint wenn sie aus In Purpur eingehüllt mit munterm Lauf aufsteht;

So wie ein Rosen-Stock mit halb eröffnten Rosen Bey kühler Morgen-Zeit den Thau pflegt liebzukosen So prangt Den Alabaster Leib aus weichen Federn trägt.

Die Wangen stehen weg den lichten Rosen-Morgen Von ihren Augen muß die Nacht die Schwärtze borgen Der Sonnen Purpur weicht vor den Rubinen-Mund Und hüllt sich als beschämt in

Narcissen kriechen weg vor denen klahren Brüsten Den Liljen fehlet selbst das Wollen und Gelüsten An Klahrheit siegt der Leib den heitern Himmel an; Was irrets? daß man sie nicht Himmel nennen kan.

Vor ihren Strahlen muß der Strahl der Sonnen weichen In dessen Feur zu sehn durch Witz man kan erreichen Allein wer bleibet hier mit Adlers Augen stehn Wer unterwindet sich die Augen anzusehn?

Der nicht so gleich sein Hertz in heisser Gluht befindet Die ihrer Augen-Blitz darinnen angezündet. Sie aber bleibet Stahl ihr Hertze gleicht dem Eyß Das keine Flammen fängt und nichts vom Lieben weiß:

Dem auch der Kieselstein an der Empfindung weichet Daran ein Regen-Tropff doch mit der Zeit erreichet Was ein geschwollner Bach in eile nicht verricht Allein sie bleibet hart mein Weinen nützt mir nicht.

Der Diamant zerspringt in schlechter Thiere Blute Sie aber wird erhärt von meiner Adern-Glute Und übertrifft darinn den Stein und Diamant Daß Blut und Thränen sind umsonst an ihr gewandt.

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