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1675–1771

Die gebundene Freyheit.

Johann Georg Gressel

Güldne Freyheit mein Vergnügen! Meine Fesseln sind entzwey Meine Liebe läst mich siegen Und mein Hertze ist nun frey.

Solche Freyheit kan man haben Wenn auf einer schönen Brust Sich die Seele weiß zu laben In vergnügter Himmels-Lust.

So bindt mich auch deine Güte Schönster Engel jetzo loß Und dein gnädiges Gemühte Oeffnet mir die schöne Schooß.

Ob die Ketten gleich entbunden Dennoch legst du Fesseln an Und die Freyheit wird gefunden Wenn man nicht entgehen kan.

Diese Ketten muß ich küssen Weil sie allzu lieblich seyn; Was mich vordem binden müssen Kleidet sich in Freyheit ein.

Weil mich diese Banden binden Weiß ich daß du meine bist Und die Freyheit kan ich finden Wo sie eine Sclavin ist.

Bey den zarten Schwaanen-Brüsten Meine Hand gefangen liegt Und die Anmuht von den Lüsten Den erlößten Geist vergnügt.

Durch die Fesseln deiner Hände Werden meine frey gemacht Wo ich meinen Geist hinwende Alles in der Freyheit lacht.

Bey dem Marmor deiner Glieder Bey der Brust und bey dem Hals Find ich meine Freyheit wieder Und verliehr sie ebenfals.

Von dem angeschlossnen Füssen Lösest du die Fesseln ab Was den Sclaven mag verdriessen Mir die güldne Freyheit gab.

Wenn mein Geist bey Mund und Wangen In der süssen Sclaverey Kan mit solchen Fesseln prangen Ist er in den Banden frey.

Soll er stets gebunden liegen An der Brust und deiner Schooß? Glaub es wird ihn recht vergnügen Keine Last ist da zu groß.

Weil ich dich nun kan umfassen Will ich gern dein Sclave seyn Ich will alle Frey heit hassen Schließ mich nur in Banden ein.

Meine Freyheit ist verhanden Wenn dein holdes Auge lacht Und die Last der leichten Banden Wird der Freyheit gleich geacht.

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