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1675–1771

Des Frauenzimmers Antwort an die Ehrbarkeit.

Johann Georg Gressel

Wir lachen Ehrbarkeit ob deinen Kinder Sprechen Und sehen daß du jetzt nicht mehr bey Sinnen bist. Du kanst die Satzung nicht der süssen Wollust brechen Die alles Frauen-Volck ohn eintzigs weigern küßt:

Was solte unser Leib in solchen Kleidern gehen Davon der Teuffel nicht zu Was wollen wir einmahl das Alterthum besehen? So wird der nackte Leib erhalten Palm und Preiß.

Drum gehe nur hinweg mit deiner Otter-Mütze Wir brauchen nicht den Rock der unsern Pracht verdeckt Der Schleyr und Kragen wird uns jetzo nichts mehr nütze Noch das geschloßne Wamst so fast das Maul versteckt.

Es ändert sich die Welt und diese setzt die Kleider Die wir ihr Eigenthum zu unsern Schmuck anziehn: Wir brauchen dich nicht mehr zu einen Die Wollust will sich nur anjetzt damit bemühn.

Wir mögen nun nicht mehr so wie die Alten gehen Da uns die junge Welt stets frische Moden giebt Uns würde ja kein Mensch in solcher Tracht ansehen Nun alles sich verneut und neue Moden liebt.

Wir sind ein freyes Volck und leben nicht gebunden Wir haben deine Macht schon längsten abgethan. Wie daß du den so keck dich wieder eingefunden? Wie daß dein scharffer Mund greifft unser Mittel an?

Wer achtet dein Gesetz dein Gifft der frohen Zeiten Jetzt kahle Ehrbarkeit von deinen Kleidern mehr? Die Wollust lässet uns den Kleider-Schmuck bereiten Jhr klug-verschlagnes Haupt ist nie von Moden leer.

Hingegen muß man stets nach einer Pfeiffen tantzen Wenn man die Kleider noch dir zu Gefallen macht Da muß die freye Brust sich lassen vest verschantzen So daß kein Auge sieht der Liebes-Ballen-Pracht.

Nun aber legen wir der Wollust reiche Waare Als ein Sie braucht die blosse Brust zu einen Lust-Altare Wer ist der ihrer Macht wol wiederstehen kan.

So macht die Blösse uns im minsten nicht verachtet Wie deine Albernheit aus grosser Einfalt spricht Nein sondern unser Schatz wird als ein Schatz betrachtet Worauf ein jedes Hertz den heissen Wunsch gericht.

Daß aber du uns gar den Barbarn nach wilt setzen Das sehn wir als ein Werck von grosser Dummheit an. Es mag die Ehrbarkeit an denen sich ergetzen Da man das Heiligthum des Schoosses schauen kan.

Wir machen nur die Brust und nicht des Schoosses Hallen Einfältge Ehrbarkeit du tummes Weibgen bloß Und doch will dir die Art der Wilden mehr gefallen Da man den Augen zeigt durch seinen Gang den Schooß.

Des aber lachen wir als groß’ Ob würde unsre Brust durch ihre Blöß verletzt Verachtung kan uns nicht mit ihrem Stachel tödten Der Brüste theurer Stoff so Aug’ als Hertz’ ergetzt.

Die Waaren so man kan am allerersten lassen Die setzt man vor den Kram sie zu ersehen aus Das andre aber muß in seinem Packen passen Darum der Käuffer nicht geht in des Kramers Haus.

Und o betrognes Weib man kan die Pracht erhalten Der Brust so man entblößt als Es muß das schöne Gut nicht vor der Zeit veralten Die Kunst ersetzet das was Sturm und Wind einreißt.

Und dieses lehret uns der uns gefälge Schreiber Der allen Damen lieb und werth geachtet wird Er zeiget wie man schmückt die schon Und wie noch größre Pracht durch Kunst wird beygeführt.

Und will ein Ehren-Dieb schon seine Feder wetzen So bleibt dis unser Spruch: Ein Thor nicht schelten kan Und hat ein müß’ ger Kautz sonst nichtes nicht zu hetzen So fängst er mit der Brust des Frauen-Zimmers an.

So dann muß dieser Ort ein über groß Gerüste Der bösen Lüste seyn und was der Possen mehr Uns aber ziert dennoch der Pracht der schönen Brüste Und sie erlangen nicht die sehr begehrte Ehr.

Allein zu unsern Ruhm muß Wenn schon einander gleich vor ihn die Feder führt Und viele andre mehr die unbenennet bleiben Weil deren reiner

Nun albre Ehrbarkeit wir lachen zu den Dräuen Wird gleich ein grosser Zoll auf unsre Waar gelegt Wir werden uns doch nicht sie auszulegen scheuen Weil nach dem theuresten der beste Käuffer frägt.

Allein wir leben nicht in solchen wilden Jahren Da man der Wollust-Frucht mit Zins und Zolle drückt; Die Fürsten lieben selbst die angenehmen Waaren Damit das Frauen-Volck den weissen Busen schmückt.

Wir geben dir So wie die neue Welt und ihre Doch wissen wir auch wol daß man vor Mannes-Lüste So Schrancken setzen muß als Gräntze Maaß und Ziel.

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