Hier ist Beredsamkeit ein blosses Stilleschweigen Die Augen können nur die besten Redner seyn Die ob sie gleich sind stumm die Kunst im Reden zeigen Es kehret in der Brust dadurch die Liebe ein.
Sie reden ihre Sprach so deutlich mit dem Hertzen Als keine Zunge kan und wo sie in besteht Das spührt der Gegen-Stand wenn ihre Blicke schertzen Und der beliebte Strahl durch Geist und Seele geht.
Erfinders heissen sie der süssen Liebes-Sachen Die ob sie schon geheim doch ihnen wohl bekannt. Die Seelen können sie verliebt und lebhafft machen Sie zünden allda an der Liebe-Feur und Brandt.
Sie sind der Liebe-Brunn die Mahler der Gedancken Sie grübeln alles aus was unerforschlich ist Sie wissen ob das Hertz des Gegentheils wil wancken Ob es beständig heist was es bey sich beschließt.
Den Schlüssel führen sie zu den verschlossnen Seelen Es kost nur einen Blick so fällt der Stoltz gleich hin Kan eine Thränen-Fluht ein Hertze nicht durch hölen So zwingt ein heisser Strahl den Eisen-harten Sinn.
Die Sprache kan niemand als die Verliebt verstehen Was dieser Hertze redt ist ihnen gleich bekannt So bald die Blicke fort als treue Bohten gehen So bald entspinnet sich ein festes Liebes-Band.
Cupido muß sich selbst in ihre Hertzen schreiben Die Göttinn Sie kan durch ihren Trieb dahin die Geister treiben Daß sie auf diese Kunst hinwenden ihren Sinn.
Die gütige Natur läßt sie auch bald erfinden Sie mahlet künstlich vor ein wunderschönes O Sie können darinn leicht der Liebe-Grund ergründen Vor dieser Kunst erstaunt der Redner
Sie kan durch ihre Macht diejenigen bewegen Die wie ein Demant hart und unbeweglich sind Sie darf nur einem Blick der Lieblichkeit erregen Alsdann ein stoltzer Sinn wie weiches Wachs zerrinnt.
Wer in der Sprache sich wil einen Meister nennen Der muß im Lieben seyn mehr als im Reden frey Dabey die Eigenschafft von dieser Kunst erkennen Daß sie was Himmlisches und nichts Gemeines sey.
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