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1675–1771

An eine strenge Schöne.

Johann Georg Gressel

Allzu strenge Grausahmkeit Muß die krancke Seele leiden; Sie vergeht in ihrer Pein Wasser kan den Fels durchbohren

Aber ach! ich bin verlohren Deine Brust ist mehr als Stein. Allzu strenge Grausahmkeit Muß die matte Seele leiden.

Du bist zwar schön Und lieblich anzusehn; Deiner Augen Wunder-Pracht Hat meinen Geist verliebt gemacht;

Auf den Wangen blühen Rosen Die Wollust da wie Thau zerfließt. Silber weisse Perlen kröhnen Das zarte Kinn.

Die Anmuth küßt Die glatten Wangen So mit den reinsten Liljen prangen Und Milch und Schnee verhöhnen.

Der Busen fährt dahin Als wie ein weisses Meer Die Hertzen wünschen sehr Denselben liebzukosen.

So bist du schön Und lieblich anzusehn Doch deine Grausamkeit Der du dich gantz geweiht

Macht mehr ein Tyger-Thier Als wie ein Wunder-Bild aus dir. Schöne Augen zwingt die Blicke Daß sie nicht so strenge seyn

Kehrt den Blitz in eine Sonne Hült die dunckeln Strahlen ein. So erblick’ ich meine Wonne Mit erwünschetem Gelücke.

Schöne Augen zwingt die Blicke Daß sie nicht so strenge seyn. Was nützt dir meine Quaal? Was bringet dir mein Leiden?

Nichts! spricht dein Mund Und gibt dadurch sein Unrecht kund. Sey nicht mehr Stein und Stahl Liebe den der dich verehret

Und so reine Flammen nehret Daß er sich dadurch verzehret. Du must doch endlich lieben! Darum so fange an

Den Wechsel auszuüben. Wenn Zeit und Jahre Den Leib zur Bahre Und ins Grab bescheiden

Alsdenn so ists mit aller Lieb und Gunst gethan. Oder meynest du vielleicht Nicht zu rächen trachten? Wenn dem also? so bist du übel dran.

Stoltze Sinnen Müssen gleich dem Wachs zerrinnen So der Sonnen nahe steht; Es kan

Alsbald ein kaltes Hertz entzünden Wann wird das Zunder glim̃end finden Wann er durch die Seele geht.

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