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1675–1771

An Dulcinden.

Johann Georg Gressel

Dieweil mein Auge nicht die Strahlen an-kan schauen Die deiner Augen-Sonn mit starcken Flammen scheußt So muß ich meine Quaal der Feder anvertrauen Daß sie in weiß und schwartz die schuldge Ehr-furcht weißt.

Was aber soll Papier der Gluht sich widersetzen? Vor der gewölbt Crystall nicht einst bestehen kan Wird nicht dein strenger Blitz es mit Gewalt verletzen Eh deine schöne Hand das Siegel auffgethan?

Wann aber schönstes Kind das blitzen sich geleget So glaub daß Ehr und Furcht die keusche Brunst erhält Daß keine Geilheit wird in meiner Brust geheget Und daß kein Fall-Brett ist dem

Das eh den Tod begehrt eh es sein Fell betrübet In den verschantzten Koth’ so rein nun dessen Haut So keusch ist mein Gemüht dem Redlichkeit beliebet Nicht grosse Schmeichelung von Zucker auffgebaut

Worunter Kröten-Gifft der falschen Geilheit stecket So bittre Wermuth zeugt und Bastlisken nehrt Mit süssen Uberzug der glatten Wort’ bedecket Das den so leichtlich traut aufs äuserste verzehrt.

Hier aber scheinet nichts als nur der Warheit-Schimmer Der keine Lügen liebt dem Falschheit unbewust Der in Gedancken nie betrübt ein Frauen-Zimmer In dessen Seele nicht die ungerechte Lust.

Je ihren Sitz gehabt noch Wohnung auffgeschlagen Hier zeigt ein reiner Brief die längst verborgne Glut So dein Gesicht erregt: Ach! könnt’ ich sie vertragen Es solte dir mein Brief noch nicht mein letztes Guht

Zu deinen Füssen streun. Jtzt aber da mein Leben Fast mit dem Tode ringt so will ich dir mein Hertz Und deiner Schönheit-Zier zum Opffer übergeben. Will nun

So lasse deine Hand mir wenig Zeilen lesen Doch mache daß dein Knecht nicht Brief und Leben bricht Ach straffe nicht zu hart wenn ich zu frech gewesen Gedenck wer murrisch schweigt der haßt und liebet nicht.

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