Dorinde lebst du noch und denckst du noch an mich?
Ich hoffe deine Lieb und Treu wird nicht erkalten
Ob mich das Schicksahl gleich drey Wochen wunderlich
Von deinem Umgang hat verdrießlich abgehalten.
Die Sonne zündet auch von fernen Häuser an:
Ein Basiliske kan durch blosses Sehn vergifften
Drum ists kein Wunder daß das Feuer brennen kan
So du abwesend kanst in meiner Seelen stifften.
So bald dein Saamen-Licht mich einmahl angeblitzt
So wurde Seel und Leib in voller Flamm entzündet
Dein süsses Gifft zugleich im Marck und Bein gesprützt
Daß in mir Lebenden das Leben fast verschwindet.
Wilt du nun nicht mein Artzt und mein Erretter seyn;
Werd ich voll Flamm und Gifft vor deinen Augen sterben
Weil der in den sich schenckt der Augen-Strahl hinein
Wenn du nicht löschen wilt vor Gluhten muß verderben.
Dorinde, wenn du nun noch Gnade vor mir hast
So sage ob ich darf noch heute zu dir kommen
Weil meine Seele sich nicht eh zu frieden faßt
Bis deine Gottheit ihr hat ihre Traur benommen.