Skip to content
1675–1771

An Dorinden.

Johann Georg Gressel

Dorinde lebst du noch und denckst du noch an mich? Ich hoffe deine Lieb und Treu wird nicht erkalten Ob mich das Schicksahl gleich drey Wochen wunderlich Von deinem Umgang hat verdrießlich abgehalten.

Die Sonne zündet auch von fernen Häuser an: Ein Basiliske kan durch blosses Sehn vergifften Drum ists kein Wunder daß das Feuer brennen kan So du abwesend kanst in meiner Seelen stifften.

So bald dein Saamen-Licht mich einmahl angeblitzt So wurde Seel und Leib in voller Flamm entzündet Dein süsses Gifft zugleich im Marck und Bein gesprützt Daß in mir Lebenden das Leben fast verschwindet.

Wilt du nun nicht mein Artzt und mein Erretter seyn; Werd ich voll Flamm und Gifft vor deinen Augen sterben Weil der in den sich schenckt der Augen-Strahl hinein Wenn du nicht löschen wilt vor Gluhten muß verderben.

Dorinde, wenn du nun noch Gnade vor mir hast So sage ob ich darf noch heute zu dir kommen Weil meine Seele sich nicht eh zu frieden faßt Bis deine Gottheit ihr hat ihre Traur benommen.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
An Dorinden. · Johann Georg Gressel · Poetry Cove