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1675–1771

An die strenge Lesbia.

Johann Georg Gressel

Galante Lesbia du tödtest mir mein Leben Wenn deine harte Brust sich noch nicht will ergeben; Mich quählet deine Pracht dein Hart-seyn foltert mich Ich bin lebendig todt und seuffze ängstiglich.

Allein umsonst! umsonst sind meine Jammer-Zeichen Dein Hertz das steinern ist ist gar nicht zu erweichen Du bleibest allezeit bey meinen Klagen hart Ob schon das Seuffzen sich mit meinen Thränen paart.

Ein Diamant zerspringt im schlechten Bockes-Blute Mir aber kommt mein Blut und Weinen nicht zu gute Ein harter Stein wird weich das Eisen zäh gemacht Nur du mein Kind wirst nie auf andern Sinn gebracht.

Sonst pflegt man nach der Nacht und ihren Finsternissen Den frohen Morgen-Stern im hellen Licht zu küssen Nach langen Fasten bricht das Oster-Fest herein Du aber wilt mir Nacht und ewigs Fasten seyn.

Ich soll das Jubel-Jahr auf deiner Brust nicht halten Mein heisses Seuffzen muß in kühler Lufft erkalten. Da stets die Marter-Woch’ in meiner Seelen ist So klag’ ich daß mein Mund noch keinen Ablaß küßt.

Ich schiffe um den Port wo Freud’ und Anmuth wohnet Allein vor jene Lust werd’ ich mit Angst belohnet Indem das Vor-Gebürg so nach der Hoffnung heißt Sich wenn ich landen will von meinem Schifflein reißt.

So muß ich gleiche Quaal wie Ich sehe meine Lust und darf es doch nicht wagen Daß ich sie kosten will weil du sonst wirst erhitzt Und Donner stössest aus dabey mein Himmel blitzt.

Jxion ist mir gleich ich dulde seine Schmertzen Wenn ich dich küssen will so muß ich Wolcken hertzen Umarmen einen Dunst und einen falschen Schein Denn du wilt auch so gar im Küssen grausam seyn.

So quählest du mein Hertz mit Und doch kan stets dein Mund von grosser Güte sagen Von deines Hertzens-Brand von deiner Treu und Huld Da doch mein Leben stirbt vor grosser Ungedult.

Ach harte Güt’ ach! ach! feindseeliges Erbarmen Wie quählet doch dein Stoltz mich halb-erstorbnen Armen! Bald lebe ich in Lust wenn mich ein Blick vergnügt Bald aber stirbt der Geist wenn mich der Schein betriegt.

Tyrannin meiner Brust du Mörderinn des Lebens Hofft dann mein matter Geist auf Gnade gantz vergebens? Muß eine frische Quaal der alten dienstbahr seyn Und nimmt ein neuer Schmertz des vorgen Stelle ein?

Heißt dieses Gütigkeit wenn man muß Hülff-loß sterben? An statt der Gnade läst du Seel und Hertz verderben; Der Kummer zehret ab den halb-erstorbnen Geist Und diese Quaal dein Mund Güt’ und Erbarmen heift.

Allein die Marter ist bey weiten keine Gnade Noch jenes Linderung wenn ich in Kummer-Baade Tyrannen Gnade pflegt ein schneller Todt zu seyn Nicht der den man erlangt nach ausgestandner Pein.

So höre doch nun auf mich Fang an im Augenblick die Geister zu entseelen Reiß ein den Hoffnungs Bau wenn mir kein Hoffen nützt Und stoß die Stütze weg die mich noch unterstützt

Wirff doch die Decke ab der gantz verstellten Minen Und zeige ob mir soll ein Lebens Oehl-Blatt grünen? Ob mir die Gnaden-Wahl dein Paradies verspricht Und ob im Gegen-Theil dein Zorn das Leben bricht?

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