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1675–1771

An die schöne Clelie.

Johann Georg Gressel

Mein Hertz! erröhte nicht das Siegel auffzubrechen So meine kühne Hand dir jetzund zugeschickt Es soll dasselbe stets von deiner Güte sprechen Wenn du dis schlechte Blatt in Gnaden angeblickt.

Zwar neulich sagte ich daß ich nicht lieben könne Wie mich um selbiges dein holder Mund gefragt; Doch weiß ich selber nicht ob ich anjetzo brenne Da eine innre Krafft die reine Seele plagt.

Ich bin voll Pein und Quaal und weiß nicht was mir fehlet Mein Hertz ist noch nicht todt doch lebet es auch nicht: Da ein verborgner Schmertz die matte Seele quählet Bin ich ein Krancker dems an Hülff und Trost gebricht.

In allen Büchern kan ich kein Vergnügen finden Die Sayten sind mir nichts als nur ein todter Klang: Hierbey will mir die Lust zur Tichter-Kunst verschwinden Und das studiren ist nur eine Folter-Banck.

Mein Leben sage mir woher entstehn die Schmertzen Und welches meynst du sey die Ursach meiner Pein? Dein schönes Auge bringt sie hin zu meinen Hertzen Da ich durch dessen Feur jetzt muß entzündet seyn.

Mein Engel zürne nicht auf mein so kühnes Schreiben Indem Schmertz und Verdruß die Feder selbst regiert; Denn da die Liebe mir wil meine Sinnen treiben; Was Wunder wenn man hier viel tausend Fehler spührt.

Es ist die Liebe ja ein Meister unsrer Seelen Ein heimlich Strick dem ich selbst nicht entfliehen kan Ein Schmertz den man nicht leicht kan vor den Artzt verhelen Sie betet jeder gern als eine Göttin an.

So wil ich auch vergnügt die süssen Bande tragen; Da sie von deiner Hand; so ist mir alles recht So daß ich wil fortan mit allen Freuden sagen Die Liebe machet mich zu deinen treuen Knecht.

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