Skip to content
1675–1771

An die falsche Lysilis.

Johann Georg Gressel

So meynet Lysilis, daß ich des Todes sey Wenn ihre Gunst mir fehlt und sie mir ungetreu? So meynt sie daß mein Geist vor Uberdruß verschmachtet Wenn sie mich hönisch schillt und ohne Schuld verachtet?

Ach Nein! die Meynung triegt ich bin noch unverzagt Ich fühle nicht daß mich um sie ein Kummer plagt Will ihr gleich meine Waar aus Hochmuth nicht gefallen? Sie wird darum doch nicht verkleineret von allen.

Will sie nicht Käuffer seyn so sind derselben mehr Sie reissen sich um sie ja auch nicht allzusehr. Wenn sie nicht bessern Stoff vor ihren Laden leget Alsdenn sie keinen Mann in ihrer Buden heget.

Fahr hin du bist verlacht du dunckles Augen-Licht Dein Spiegel schmeichelt sehr und gibt dir falsch Bericht Sie meynt sie wäre zart Sie meynt daß man mit recht sie als die beste kröhne

Doch Nein! sie ist nicht schön wie es ihr Sinn begehrt Die falsche Schönheit wird durch Einbildung ernehrt. Fahrt hin ich acht eur nicht ihr falschen Liebes-Sterne Jhr düstert in der Näh’ und gläntzet nur von ferne.

Jhr falsches Hertze ist ein Boden-loser See Und ihre Treu vergeht wie der Aprillen-Schnee Sie ist ein Wetterhahn den jeder Wind verdrehet Und bald nach Ost und West nach

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
An die falsche Lysilis. · Johann Georg Gressel · Poetry Cove