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1675–1771

Amors Schätze.

Johann Georg Gressel

Nächst; da der Phosphorus schon durch die Wolcken brach Und diese dunckle Welt mit seinem Licht bestrahlte; Da

Auf der bethanten Au wie Diamanten prahlte. Da suchte Jm Garten seine Lust; in den belaubten Aesten Schlug hier ein Vogel an dort lockte ihn das Weib;

Der süsse Morgen-Wind die sanffte Lufft von Westen. Bließ ihm von Roßmarin Der Mit mehr denn Königs-Pracht geziemend angethan

Der Tulpen hohes Haupt ein schöner Krantz bekräntzte Die Die Nelcken liessen sich hoch-auffgebrüstet sehen Die Lilje prahlete wie sie so schön gemacht

Die Rose zeigte an daß es mit recht geschehen Da sie zur Königinn der Blumen sey ernennt Narcissus ließ alldort die weissen Locken hangen Und schien aus Ubermuht noch in sich selbst entbrennt

So sah er seine Lust an ihrem stoltzen Prangen Und ging mit sanfften Schritt durch das Zu einem Manlbeer-Baum und dessen kühlen Schatten Allwo die Lieblichkeit in vollem Schmucke saß

Die Ruhe nahm ihn auf in die bekleeten Matten. Kaum aber hatt’ er sich aufs weiche Gras gelegt Als ihm ein süsser Schlaff die matten Augen schlosse Da doch sein Geist in ihm von höhern Trieb erregt

Recht ungemeine Lust in diesem Schlaff genosse. Denn es erschiene ihm der kleine Liebes Gott Und sprach: wenn So folge er mir nach in jene dunckle Grott

Wenn er mir folgen will und meinen Worten trauen? So zeigt ihm meine Gunst der Liebe Auffenthalt. Der Antrag mugte gleich dem Drum ging er

Mit ihm daselbsten an wo dessen schätze lagen. Der Grotten Finsterniß im Augenblick verschwand Er sah durch einem Blitz viel Fackeln angezündet Und wuste nicht wer sie so schleunig angebrandt

Dis sind die Schätze all die man von Gold hier findet: Hub In jenem Verwunder dich des nicht ists gleich ein enger Platz

Wo dieser Schatz jetzt liegt so must du ihn doch lieben. Cupido zog hiemit ein dünnes Tuch bey seit Und zeigte ihm daselbst ein schön geputztes Bette Darinnen lag ein Mensch mit Rosen überstreut

Sonst ward er nichts gewahr im gantzem Und doch solt’ Da solten Wo man kein Silber sah kein Gold noch Demant-Stein

Er dachte kleiner Schalck du solt mich nicht betriegen Wie du im Sinne hast; hier siehe Hub Verdammter Spötter Geist jetzt soll die Schönheits-Sonn

Nach kurtzer Zauderung aus dunckeln Wolcken brechen. Indem er dis gesagt war auch das Bett’ entdeckt Er sah ein Weibes-Bild so gantz der Das hatte vorwerts sich gantz nackend ausgestreckt

Vor deren Schönheits Glantz Jhr gold entflammtes Haar die Alabaster Stirn Der blauen Augen Blitz und die so schönen Wangen Wie Minch und Milch vermischt verrückten sein Gehirn

Der wohl- So die Natur dahin zu unser Lust gesetzt Das Kinn war zugespitzt der Hals als So künstlich als wenn ihn

Die Brüste zeigten sich wie eine Liljen Bühne. Bald wie ein Es ließ dis stille Meer nur sanffte Wellen spielen Des Bulgen Alabast darauf Corallen stehen.

Die Schiffer dürffen da kein Ungewitter fühlen Weil der erwünschte Port schon in der Nähe ist Der Wollen-weiche Bauch der prangte mit Turckosen Die ihre weisse Haut in schönster Zierde küst.

Die Hüfften zeigten sich wie weisse Anmuhts-Rosen Darzwischen die Natur ein schönes Schloß gebaut. Da ragte es hervor mit seinen Darnach ein jedes Schiff als seinen

Liegt man in diesem Port so lacht man zu den Blitzen Kein rauher Sturm verdirbt der Wollust Lagerstadt Da ist der Sammel-Platz der allersüßten Lüste Und

Dis ist der schöne Wald und die beliebte Wüste Der Liebe Paradies der Lüste Canaan: Wohin einjeder wünscht und unser Reitzung strebet Der

Der seine Gegend ziert und ihren Pracht erhebet. Rubinen kröneten den Alabaster Thron Zu welchem Könige sich auch in Demuht beugen Und vor ihm niederstreun Hertz Scepter Reich und Kron

Die da von ihrer Treu als Geissel müssen zeugen. Des Leibes Untertheil war auch wol werth zu sehn Die Helffenbeinern Knie die Spiegel-glatten Beine Der wohlgemachte Fuß und die

Die schienen fast geschnitzt aus weissen Hier siel die Decke zu die Kurtzweil war vorbey Ohn daß er dieses Bild demühtig können grüssen Das

Drauf must’ er seine Lust mit herben Schmertzen büssen Als der erzürnte Gott ihn in das Hertze schoß Und sprach: so muß ich dich verruchter Spötter lohnen Weil du entweyhet hast

Fort packe dich dahin wo Hierauf verschwand er ihm die Fackeln gingen aus Er war mit grosser Furcht mit herber Angst umgeben Er tapte an der Wand er fand kein Grotten-Haus

Und sah ein Jrwisch-Licht mit schrecken um ihm schweben. Demselben folgte er zu seinem Schaden nach (weil dessen falscher Schein auch Wachende bethöret) Biß daß er endlich kam an einen grossen Bach;

Wie nun sein Ohr den Strohm und dessen Brausen höret. Da hatt’ er seinen Fuß schon in dem Fluß gesetzt. Er lieff in Eyl zurück und floh des Jrwischs Schatten Weil er den Folgenden durch seinem Schein verletzt.

Doch sah’ er ihn vor sich mit vielen andern gatten Bis daß er endlich gar im Augenblick verschwand. Drauf war das gantze Feld mit Finsterniß bedecket Und er verharrete an dem bemooßten Strand.

Hier wurde er aus Noht aus Furcht und Schlaff erwecket Denn seine Dem treuem Er sprung geschwinde auf fiel

Und sprach: wohin mein Licht mein eintziges Verlangen? Cupido soll dennoch von mir geäffet seyn; Sein Zorn ist Kinder-Spiel sein Pfeil der wird verlachet Er darff zu unser Lust nicht bitter Wermuht streun

Weil ihr Die Worte hatte er im Schlaffe weggeredt Und nicht darauf geacht daß Die Falsche hatte sich freywillig abgedreht

Und weil die Liebe todt die Treu dazu verblichen So solte Es solte ihm der Kuß zur letzten Oehlung dienen Und ihrer Lippen-Gifft vermehren seine Pein.

Sie sagte bey sich selbst: nun ist der Tag erschienen An welchem Allein ob So lebt und lebet er dennoch ihr zum Verdruß

Er ehrt das schöne Bild das Und bannet Wo Löw und Tyger-Thier bey Basilisken wohnen. Es scheint sein glückes Stern und lencket seinen Sinn

Daß er die Falsche muß mit gleicher Müntze lohnen. Verläst ihn Spielt sie mit ihrer Tren so lacht er seiner Schwüre Zürnt

Wie er den Liebes-Brand nicht in der Seelen spühre Den gegen Er nehrt die keusche Brunst die sein Gemüht er quicket So

Nachdem ihn So zündet ihr sein Geist gebührend Weyrauch an Er schätzet ihre Schooß mehr als der Heyden Götter Weil sie diejenigen zu Sclaven machen kan.

Vor diesem beugen sich auch die verruchsten Spötter Und streun dem Schooß-Altar den besten Weyrauch auf. Jm Felde prahlet Die

Siegt er gleich Fürsten an sie kan er nicht besiegen Er sencket sich erhitzt in ihre hole Schooß Und kühlet bey ihr ab die heissen Liebes Flammen Die

Und führet alle Lust in diesem Kreyß zusammen Woher die Liebe selbst den ersten Ursprung hat Wo sie des Tages-Schein zum ersten hat genossen Als sich ihr Muschel-Schloß in bittrer See auffthat.

Die Reitzung ist daselbst mit ihr zugleich entsprossen Drum sehnet jedes Schiff nach diesem Haven hin Hier wünschet jede Jagd den Ancker auszuwerffen Der Schiffmann spricht: Nun ich in diesem Haven bin

Muß Sein gelb-geflammter Strahl wird hier nicht mehr geacht Er selbsten wurd’ ein Schwaan um Europa wurd von ihm in Stiers Gestalt gebracht

Nach Hier zeigte Daß seine Stärcke muß vor Was keine Creatur von ihm erhalten kan

Kan Kein Wunder daß der Mensch sich nach dem Gute sehnt Was selbst der Götter Zunfft so sehnlich hat begehret Wozu uns die Natur von Kindheit angewehnt

Davon kein Uberfluß die Liebenden beschweret. Nun hatte Er wolte ihre Pracht hinführo nicht mehr ehren Weil aber noch sein Hertz von Liebe ward geplagt

So ließ er diesem Spruch auf seinem Rück-Weg hören. Cupido, der du mich durch deinen Schein berückt Und in ein Schatten-Bild den lüstern Geist en tzündet Mach’ ander Orten mich durch deine Gunst beglückt

Daß Weis mir ein Mädgen an das In dessen Angesicht sich Wo von dem Wangen-Feld die Rose niemahls weicht

Und solche Brüste hat den Liljen weichen müssen. Das Hertze laß wie Sammt nicht Stahl und Eisen seyn So daß ich ohne Quaal ihr Hertze mag gewinnen Und sie mich mitder Zeit nimmt in die Muschel ein

Wo Seel’ in Seele ruht und Geist-in Geister rinnen.

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