Schreibst du es der Feindschafft zu? Daß der Bock gern bey der Ziegen Und der Ochse bey der Kuh Mag im grünen Grase liegen.
Ist es Hassen oder Lieben Was die Turtel-Tauben üben? Wenn der Tauber gantz vergnügt Sich zur treuen Tauben fügt.
Meynst du daß die Grausahmkeit Jhren Ursprung hergenommen Von der süssen Frühlings-Zeit? Die jetzt lieblich angekommen
Und zur Liebes-Lust beweget Was die Welt an Thieren heget Auch den Männern zeiget an Wie man Frauens lieben kan.
Kanst du denn so gar nicht sehn? Wie anjetzo alle Sachen In verliebten Flammen stehn Und vor grosser Wollust lachen.
Schau des Taubers artigs stellen Der um seinen Eh-Gesellen Mit verliebten Murmeln fliegt Und sich küssend zu ihr fügt.
Hör die Nachtigalle an Die von Zweig zu Zweigen springet Und so helle wie sie kan Mit erhobner Stimme singet
Seht die hellen Liebes-Flammen Schlagen über mich zusammen Sehet! wie mein Hertze brennt Die ihr
Und als wenn dir unbewust? Was die kluge Schlange treibet Die das Gifft vor ihrer Lust Erst der Erden einverleibet
Drauf zu ihrem Buhlen eilet Der die Liebe mit ihr theilet; Denn die Liebe will allein Nur lust-und nicht gifftig seyn.
Es vergeht die Grausamkeit Denen wilden Tyger-Thieren; Und wenn Muß der Löw den Stoltz verliehren:
Jedoch deine harten Sinnen Wollen diesen abgewinnen Nichtes ist so wild als du Du schleust dein Hertz
Doch was sage ich allhier! Da die Löwen Tyger Schlangen Mit Empfindung gleich als wir Und mit gleicher Fühlung prangen.
Aber da der Bäume-Rinden Amors heisse Macht empfinden Kenn’ ich nichtes so dir gleicht Dir der
Mit Verwundern kanst du sehn Wie des Weinstocks schlancke Reben In so grosser Inbrunst stehn Und des Männleins Stamm umgeben;
Jhre Liebe ist so hefftig Daß sie immerdar geschäfftig Wie sie ihren lieben Mann Gantz genau umarmen kan.
Schau die Tannen sind verliebt Und die Fichte küst den Fichten Der Ulm seine Braut umgiebt Darnach sich die Weiden richten.
Auch die Büche fühlet Flammen Und seufftzt nach der Liebsten Stammen. Eichen die so hart und wild Sind mit Liebe angefüllt.
Hättest du Geist und Verstand? Wüstest du die Kunst zu lieben? Würden dir nicht unbekandt Jhre Seuffzer seyn geblieben;
Jhre stummen Liebes-Thaten Hätte dein Gehirn errahten Und der Liebe ihre Macht Würde mehr von dir geacht.
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