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39. Lust Liedlein bey dem Ypserfluß

Catharina Regina von Greiffenberg

Ach du schöne klare Quell schnell' und hell! fließ in süssen Freuden! an dir wolle für und für

Lust und Zier mit viel Freuden weiden. Deiner Ufer Graß-Smaragd mir behagt

vor das Türk Gewebe. Was ist Gold und Seiden Wust ohne Lust? Freud' und Freyheit lebe!

Wann Aurora in der Früh sprengt die Blüh komm ich sie zu grüssen; opffer einen klingel-Reim

in geheim; eh Hitz-Strahlen schiessen. Mit dem hellen Demant-Thau ist die Au

durch und durch versetzet. Niemand stillt den Himmel-Pracht bey der Nacht er bleibt unverletzet.

Hier sih' ich an allem Ort meinen Hort Hoffnung so mein Leben. Biß zum Westen von dem Ost

muß mein Trost mir vor Augen schweben. Ich vergönn der Kronen Pracht Ehr und Macht

dem den sie belieben: denke bey der klaren Bach Tugend nach mich in ihr zu üben.

Weil das Geld ein Sorgen-Nest: ist das bäst die Begierde fliehen; mit der frischen Fischer-Schaar

ohn Gefahr Fisch davor beziehen. Nimm die Blumen an den Rand um den Strand

vor die edlen Steine: sie sind ohne Meeres-Reiß jedem Preiß gleich so schön von Scheine.

In dem weissen Blüte-Buch ich aufsuch die Erschaffungs-Wunder: setze dann an jedes Blat

an die statt Lob und Preiß darunter. Deiner Sänger Lufft gethön klingt so schön:

über Feld-Trompete die nur Blut und Mord bereit. Dieser Streit Lobt Gott in die Wette.

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