In den angenehmen Auen
komm ich Gottes Güt zuschauer
wann der Abend einher bricht.
wann die Schäflein bey der Tränke
seinen Wundern ich nach denke
meine Lobes-Pflicht verricht.
Setz mich bey dem Bächlein nider
und betrachte hin und wider
meines Schöpffers Schaffungs-Kunst
in der Erden Blumen-bringen:
die will mit dem Himmel ringen
ob ertheilter Gnaden-Gunst.
In dem kommet mir zu Ohren
so beliebt und auserkohren
meiner Nachtigalle Schall;
da die Tochter in den Lüfften
macht erschallen aus den Klüfften:
dir sey Preiß O ewigs All?
Pfleg die lange Zeit zu kürzen
und die Einsamkeit zu würzen
mit der keuschen Bücher-Lust:
jedes Blat ist mir ein Flügel
und ein nachgelassner Zügel
zu der süssen Himmel Brust.
Laß die Schaf in Schatten stehen
pfleg dieweil auf sie zu sehen:
denke dieser Hoheit nach
die ich künfftig werd besitzen
da mein' Ehren-Kron wird glitzen
als die Sonne tausendfach.
Ob ich dieser Zeit schon habe
nichts als meinen Hirtenstabe:
weiß ich doch ein Königreich
inner dem Saphiren-Dache
und Demantinen Gemache
das ich sterbend' erbe gleich.
Lebe von der Schäflein Wolle
wünsche nichts als was ich solle
bin in meiner Armut reich
und ein Königin bey Schaafen
kan ohn' Angst und Sorgen schlaffen
werd ob keinem Stürmen bleich.
Gottes Lob ist all mein dichten:
alls pfleg' ich dahin zu richten
daß sein Name werd gepreist.
In betrachtung seiner Wunder
leg' ich mich: und werde munder
daß er der noch mehr mir weist.