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1647

38. Spazir- oder Schäfer-Liedlein

Catharina Regina von Greiffenberg

In den angenehmen Auen komm ich Gottes Güt zuschauer wann der Abend einher bricht. wann die Schäflein bey der Tränke

seinen Wundern ich nach denke meine Lobes-Pflicht verricht. Setz mich bey dem Bächlein nider und betrachte hin und wider

meines Schöpffers Schaffungs-Kunst in der Erden Blumen-bringen: die will mit dem Himmel ringen ob ertheilter Gnaden-Gunst.

In dem kommet mir zu Ohren so beliebt und auserkohren meiner Nachtigalle Schall; da die Tochter in den Lüfften

macht erschallen aus den Klüfften: dir sey Preiß O ewigs All? Pfleg die lange Zeit zu kürzen und die Einsamkeit zu würzen

mit der keuschen Bücher-Lust: jedes Blat ist mir ein Flügel und ein nachgelassner Zügel zu der süssen Himmel Brust.

Laß die Schaf in Schatten stehen pfleg dieweil auf sie zu sehen: denke dieser Hoheit nach die ich künfftig werd besitzen

da mein' Ehren-Kron wird glitzen als die Sonne tausendfach. Ob ich dieser Zeit schon habe nichts als meinen Hirtenstabe:

weiß ich doch ein Königreich inner dem Saphiren-Dache und Demantinen Gemache das ich sterbend' erbe gleich.

Lebe von der Schäflein Wolle wünsche nichts als was ich solle bin in meiner Armut reich und ein Königin bey Schaafen

kan ohn' Angst und Sorgen schlaffen werd ob keinem Stürmen bleich. Gottes Lob ist all mein dichten: alls pfleg' ich dahin zu richten

daß sein Name werd gepreist. In betrachtung seiner Wunder leg' ich mich: und werde munder daß er der noch mehr mir weist.

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