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1647

30. Aus dem Lateinischen versetzt

Catharina Regina von Greiffenberg

A und O du grosser Gott mein Gott mein Gott in der Noht! welches Krafft kan alles machen dessen Sinn weiß alle Sachen

dessen Seyn das Höchste Gut der auch lauter Gutes thut; ob- und unter allen schwebend ausser-und in allen lebend

unter allen ungeschmäht ober allen unerhöht; inner aller unverschlossen ausser allen unverstossen

über alls mit Herrsch-Gewalt untersich als Aufenthalt; alls begreiffend' ausser allen drinn erfüllend nachgefallen

wird darinnen nicht gedrängt noch heraussen was verlängt; unten unbetrübt im walten oben auch ununterhalten

Welt-bewegend unbewegt hätst all Oerter ungehegt; wandelst unverwandt die Zeiten flüchtigs stillst ohn Flüchtigkeiten;

nötige noch äusre Krafft endert dein' Ureigenschafft. Was vorbey was soll geschehen kanstualls vor Augen sehen:

ja es ist dir allzeit heut unzertheilte Ewigkeit! deine Vorsicht wacht in allen. Schaffst auch alles nach gefallen.

Zu dem Bild des Höchsten Sinn ordnest die Urwesen hin. Nun der wahre Gott in diesen Drey in einem wird gepriesen:

in dem Wesen Einigkeit Drey-Persöhnlich doch allzeit. In Personen keine eher keine kleiner keine höher.

Der gebohrn dem Vatter gleichet gleich mit Wesen ist bereichet: ist des Vatters Bild und Strahl Schöpfer und Geschöpf zumahl;

ist an Macht nicht minder mächtig an Gestalt und Seyn gleich prächtig; so viel jener so viel der; welches jener solches er.

Aus was der er auch in gleichen kan in allem ihn erreichen. Vatter einer der gebahr; Sohn der der gebohren war;

und der Geist von beeden gehet: Drey-ein-wesend Gott bestehet. Wahrer Gott muß jeder seyn: doch nicht Götter Gott allein.

Gott der Sohn mit Fleisch umgeben wolt mit Fleisch bekleidet leben. Du der ewig-Zeitlich bist der Unsterblich ewig ist:

wahrer Gott und Mensch gebohren Gott und Mensch doch unverloren. Gott ist nicht ins Fleisch versetzt. durch das Fleisch auch nicht verletzt.

dieses nur der Höchst' annahm unverzehrt durch Gottheits-Flamm. Nach der Gottheit jenem gleichet nach der Menschheit ihm doch weichet:

Gott muß Gottes Vatter seyn Mutter eine Jungfrau rein. in so neuen seltnen Banden zwo Naturen sind verhanden.

Er behielte was er war: was er nicht sie auch gebahr. Unser Mittler und Vorsprecher unser Höll-und Tod-Zerbrecher

ließ beschneid-und tauffen sich; ward gekreutzigt starb für mich; fuhr hinab die Höll zu stürmen; stund' und fuhr' auf uns zu schirmen

zu dem klaren Himmel-Liecht daß er alle Welt dann richt. Und das unerschaffne Weben ohn Geburt und Seyn-Anheben

das dem Sohn und Vatter gleicht als ihr Geist aus beeden streicht. Die selbständig Gottheits-Flammen die beständig hält zusammen

Gott ist unveränderlich läst auch nicht verwandlen sich. Dieses ist das wahre glauben sonder falsche Irrthums-Schrauben.

Wie ich sage glaub' ich auch gib nicht nach dem bösen Brauch. Guter Gott! daher ichs wage ob wol böß doch nicht verzage.

Hab' ich schon den Tod verdient: hat mich doch dein Tod versühnt. liebst du mich ich nichts verlange als den Glauben der Sieg-prange

ohne schauen; bitt' allein brich die Bande meiner Pein. In den Pflastern deiner Wunden wird der Kranken Heil gefunden.

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