Solt dem Brunnen des Gesichtes
der Erzklarheit alles Liechtes
meine Noht verborgen seyn?
solten Seuffzer Herzen sporen
bey dem Urohr seyn verlohren?
ach der Glaube saget nein!
Solt das all-erfüllend Wesen
nicht in meinem Herzen lesen
dessen innerste Begier?
solt es weil es ihm zu Ehren
nicht so seltnen Wunsch gewähren?
Glaube hält es nicht dafür.
Solt der zartest' Augen-Schmerzen
nicht dem Höchsten gehn zu Herzen
als die gröst' Unleidbarkeit?
solt' er wann man an-will-tasten
seinen Augen-Stern noch rasten
und verziehen lange Zeit?
Siht er doch in meinem Flehen
seines Geistes Strahlen stehen
und mit Christ-Rubinen Blut
alle meine Wort versetzet!
ist sein Herz dann nicht durchätzet
von der Purpur-Flammen Flut?
Er wird ja die Thränen zählen
und Ergetzung auserwählen
auf so heissen Himmel-Zwang!
seine Hand wird sie abwischen
und mit Himmel-Lust erfrischen:
fliessen sie gleich noch so lang.
Die beweglichst Erzbewegung
lässet zu die Creutz-Erregung:
daß sie den Hülff-Stachel spitzt
daß die Feuer-Liebes strahlen
können durch gedonnert fallen
und die Gnaden-Hülff herblitzt.
O du Himmlisch-leises Lenden
unbegreifflichs Segen-Senden!
ich vertrau mich deinem Raht.
Kan ich schon dein Ziel nicht sehen:
will ich in Gehorsam gehen
und es finden in der That.
Laß mir nur ein wenig leuchten
deine Weißheit mich befeuchten
mit dem Edlen Glaubens-Safft
mein verschmachtes Seelen-Leben!
so will ich mich ganz dir geben
gibstu nur ein Tröpfflein Krafft.