Skip to content
1647

22. Die verfolgte Tugend

Catharina Regina von Greiffenberg

Tugend pflegt ja sonst zu geben süsse Freud (wie daß sie mir: Unruh ursacht für und für?) Seither sie mein ganzes Leben

seither sie ist meine Lust ist nur Unlust mir bewust. Ach du Himmel voller Sterne! kanst du auch vertunkelt seyn?

solte nicht dein heller Schein alle Wolken jagen ferne? ja der Donner scheut sich nicht sie zu treffen ins Gesicht.

Wie auf edle Adler stechen alle Vögel doch umsonst: So versucht die Misvergunst ihre Pfeil' auch abzubrechen

an der Tugend mit viel Schmerz: doch geht er ihr selbst ins Herz. Tugend ist ein Regenbogen Ehren-bunter Himmelzeug;

doch auch gäher Regenß-Steig der bald drauf komt hergezogen. Ihr beglückter Sonnen Glanz wird offt schier verdunckelt ganz.

Nun sie sey auch wie sie wolle: einmal hab' ich sie erkiest. Mein Schluß unzerbrüchlich ist ewig treu er bleiben solle.

Um sie dult ichs allzumal Donner Regen Blitz und Strahl. Trutz des Wetters ungeheur trutz der stürmen-vollen See

trutz des Winters Eis und Schnee trutz den Strahlen trutz dem Feur trutz was Tugend hindern will! wann Gott will wird alles still.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
22. Die verfolgte Tugend · Catharina Regina von Greiffenberg · Poetry Cove