Tugend wann ich dich zu lieben
mir so steiff nicht fürgesetzt
blieb' ich durch so viel Betrüben
mehr als tausend mal verletzt.
Alle Wetter gehn auf mich
Zornesstrahlen haglen knallen:
doch solt auch der Himmel fallen
gleichwol lieb und üb ich dich.
Was ich deinetwegen leide
gieß' ich alles in den Leth.
Mir beliebt die Weißheit-Weide:
daß dem Unglück in die Wett
ich ganz unbeweglich bleib'
und die holden Musen ehre
mich an Neid und Streit nit kehre
etwas sie zu preißen schreib.
Wird nit in den sauren Wellen
unsrer Perlen Zier erzeugt?
solt' ich nicht auch in Leid-Quellen
meiner Freundin seyn geneigt?
Ja mein Herz schließ dich nur zu
wie der Perlen Mutter pfleget
daß kein Grimm-Salz dich beweget:
Weißheit lieb' und leb in Ruh.
Jason kunte nicht erlangen
ohne Streit das göldne Fell.
Hercules wurd nit ruhmprangen
wann er nit in jener Höhl
hätt' erlegt die wilden Thier.
Tugend muß mit Schmerz gebähren
ihre edle Frücht die Ehren:
Niemand nehm ihm's anderst für.
Meine Schöne meine Reine
Weißheit meine Herzen-Braut!
dir hab ich mich gantz alleine
zuregieren anvertraut.
Neid und Boßheit acht ich nicht
ob sie schon die Tugend hassen.
Sich durch nichts abtreiben lassen
in der Weißheit Liebes-Pflicht.