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1647

12. Trost-Lied

Catharina Regina von Greiffenberg

Wann es Spieß und Kugel regnet schneyet lauter Gifft und Pfeil wann ein Blitz dem andern gegnet strahlet tausend Donner-Keil:

hat sich der nicht zubesorgen der in Gottes Zelt verborgen. Gottes Gnaden-starker Schutz bietet allen Kräfften Trutz.

Wann der Höchste Hülff verheißet: ob es schon nicht gleich geschicht alles sich dazu befleißet; daß man seine Wunder sicht

wie er allgemählich leiten Glück durch Unglück kan bereiten offt mit Meer Berg Feind umringt eh ins gute Land er bringt.

Man pflegt eh den Blitz zusehen als den Donner man vernimmt ob er wol zuvor geschehen. Diß mit Gottes Werken stimmt:

eher man sein Werk empfindet als man deren Ursach gründet; da er doch vorlängst bedacht was er seltnes jetzt gemacht.

In der Noht wird man beglücket. Creutz ist Freuden-Anlaß-Zeit. Wann die Sonn dem Mond zuschicket ihrer Strahlen Lieblichkeit

wird er gegen uns verdunklet weil der Glanz nur aufwerts funklet bis er sich zu uns auch wend. Also Gott das Glück auch lend.

Die so jetzt in Trübsal schweben sind nicht ohne Glück' und Lust. Ihr beglücktes Theil im Leben ist bey Gott uns unbewust:

wann es Gott herfür macht gehen wird man es mit Freuden sehen. Jedes denk ihm in der Noht: mein Glück' ist jetzund bey Gott!

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